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Zentralabitur in NRW

...auf die Einführung des Zentralabiturs in NRW folgt das große Chaos



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Was ist das Zentralabitur überhaupt?

Bei dem berüchtigten Zentralabitur geht es darum, dass alle Abiturienten eines Bundeslandes die gleichen, vom Schulministerium gestellten Abi-Klausuren schreiben. In vielen Bundesländern gibt es dieses Zentralabitur schon länger. In NRW jedoch, stellte der Lehrer eines Kurses die Abiturprüfungen bisher immer selbst. Ein Vorteil des zentralen Abiturs ist ganz eindeutig, dass der Lehrer selbst einen geringeren Arbeitsaufwand hat. Außerdem soll so gewährleistet werden, dass die Schüler immer gleich und nach einem bestimmten Kriterienbogen bewertet werden. Des Weiteren soll durch das neue Gesetz erreicht werden, dass die Schüler am Ende ihrer Schullaufbahn auch alles gelernt haben, was wirklich wichtig ist (nach der Auffassung des Ministeriums wichtig) und nicht, was für den Lehrer vielleicht mit weniger Aufwand verbunden ist. Soweit so gut, im Prinzip und der reinen Theorie ja keine schlechte Idee. Uns Schülern ist es ja auch eigentlich egal über welche Themen wir eine Klausur schreiben müssen, sofern wir uns nur ausreichend darüber informieren konnten.
Doch ganz so einfach wie sich der Plan in der Theorie anhört gestaltet sich die tatsächliche Umsetzung bei Weitem nicht. Anstatt nämlich, wie ursprünglich vorgeschlagen von Jahr zu Jahr immer mehr Fächer zentral zu prüfen, setzte sich die damalige SPD-Landesregierung NRW in den Kopf, das gesamte Abitur im Jahr 2007 zum ersten mal mit zentralen Klausuren schreiben zu lassen. Die überstürzten und wenig ausgereiften Planungen lösten eine Lawine von Problemen aus, denn es wurde offensichtlich, dass der Lehrplan ebenfalls penibel festgelegt werden musste.

Die derzeitige Stufe 12 wurde, ohne gefragt worden zu sein, mitsamt ihren Lehrern zu Versuchskaninchen degradiert. Zunächst einmal hätte bereits vor Beginn der elften Klasse feststehen müssen, welche Themengebiete in unserer Oberstufe und somit in unserem Abitur von Relevanz sein würden. Dringliche Anfragen und ungläubige Proteste seitens unserer Lehrer wurden nach ihren Angaben weitestgehend ignoriert oder sie wurden auf später vertröstet während die Zeit davonlief. Als mit großer Verspätung endlich die häufig sehr kurz und zu schwammig formulierten Richtlinien eintrafen, wurde erst das eigentlich Ausmaß der Schwierigkeiten vage absehbar; so stellte unser Biologiebuch beispielsweise ein Problem dar, denn ein großes Themengebiet des Lehrplans wird darin gar nicht erst behandelt. Es müssen nun also zunächst extra neue Bücher angeschafft werden was uns wiederum zu einer neuen Frage führt: 1. Von welchem Geld bitte? (wie immer) und 2.Welche Bücher sollen bestellt werden damit alle mit den gleichen Grundlagen lernen?

Und wie in einer beispiellosen Kettenreaktion taucht auch schon, um beim Beispiel der Biologie zu bleiben, das nächste Problemchen auf: Welche der synonym verwendbaren Fachbegriffe sollen die Schüler lernen? Derzeit, da auf diese Fragen noch immer keine Antworten in Sicht sind, lernen wir übrigens häufig mal drei Begriffe die ein- und denselben biologischen Vorgang beschreiben, um sicherzustellen, dass wir im Abi dann zumindest die Aufgabenstellung verstehen.
Aber auch andere Fächer sind stark betroffen, so etwa Englisch. Da ja alle, die das gleiche Abitur schreiben auch die gleichen Lektüren in etwa zur gleichen Zeit lesen, hatte ein beträchtlicher Teil unseres Englisch-Kurses erhebliche Schwierigkeiten sich das Stück „True West“ zu beschaffen, da der Verlag vollkommen überfordert war mit der Masse von Bestellungen und nicht mehr rechtzeitig liefern konnte. So bekamen manche Schüler ihre Lektüren erst kurz vor der Klausur, in der das Stück thematisiert wurde.

Ein viel allgemeineres Problem stellt sich, wenn man in Betracht zieht, dass ein Lehrer auch, durch einen dummen Zufall bedingt, einige Wochen ausfallen könnte. Das würde bedeuten, dass wir eine ansehnliche Menge an Stoff nicht durchnehmen könnten, denn aufgrund des Lehrermangels der sowieso schon an den Schulen herrscht, wäre eine fachgerichtete Vertretung wohl kaum möglich. Ohne die Vorgaben des Zentralabiturs würde der Fachlehrer dieses Problem lösen, indem er den versäumten Stoff kurz durchnimmt, die Klausurthemen jedoch aus einen anderen Gebiet wählt; diese Möglichkeit wird ihm durch das zentrale Abitur verwehrt.

Die Liste der Ärgernisse lässt sich beliebig erweitern und macht mit jedem weiteren Beispiel nur aufs Neue deutlich, dass es die zuständigen Personen im Ministerium reichlich wenig zu interessieren scheint, was ihre politischen Schachzüge in unserer Realität für Wellen schlagen. Es mutet an wie ein Spiel mit den Chancen unserer Zukunft, denn von dem Abitur, auf das wir immerhin dreizehn Jahre unseres Lebens hingearbeitet haben, hängt doch maßgeblich der weitere Werdegang und die berufliche Gestaltung unseres Lebens ab. Wir Schüler, und auch die Lehrer, werden nicht gefragt und besonders für meine Mitschüler spreche ich wohl, wenn ich sage, dass wir uns übergangen und verarscht fühlen. So wie uns geht es den Schülern in ganz NRW; sie veranstalten Proteste und Internet-Unterschriftenaktionen, bislang jedoch (natürlich!) ohne nennenswerte Erfolge oder Reaktionen.

Einen Hoffnungsschimmer am Horizont bilden derzeit einige vage lautbar gewordene Spekulationen; vereinzelten Presseberichten zufolge, denke die derzeitige neue Landesregierung unter der CDU darüber nach, das Zentralabitur zu verschieben und sich zunächst noch einige Zeit der Planung zu widmen.

Auf das für uns doch noch die Sonne aufgehen möge!


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Geschrieben von moa am 08.03.06 07:07 (seit dem 1567 mal gelesen)
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Aktuelle Kommentare zu Zentralabitur in NRW

Kommentar Von Raubtier (19.03.06 22:31):
Ein aktuelles Problem...wir haben momentan das Problem mit dem Lehrermangel,der Typ is dauernd krank-wir kriegen einfach keine Vertetung....ich hoffe,dass sich das nicht zu stark auf uns auswirkt...
:D :) :o :p :( ;) [B] [I] [U] [D] [URL] [EMAIL] [-][+] Neuer Kommentar Kommentar abgeben :

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