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Tutorial zur Infrarotfotografie

Ganz ohne Kameraumbau



Immer häufiger findet man sogenannte IR (Infrarot) Fotos im Internet, welche durch brilliante Blautöne im Himmel und Wasser beeindrucken und durch ein strahlendes Weiß bei Pflanzen.



Es gibt verschiedene Wege die zu einem solchen Bild führen. Der aufwändigste ist wohl den IR Sperrfilter einer digitalen Kamera auszubauen. Dann hat man eine reine IR Kamera, die aber ohne zusätzlich vorgeschraubten IR Sperrfilter zu nichts anderem mehr zu gebrauchen ist. Viel sinnvoller ist da die Verwendung eines IR Filters.

Im Prinzip kann man mit jeder DSLR IR Fotos machen. Der Unterschied liegt in der jeweiligen Qualität des eingebauten IR Sperrfilters. So ist der IR Sperrfilter einer Canon 400d oder einer Pentax 10d wesentlich besser als der älterer Modelle. Das hat zur Folge, dass Belichtungszeiten wesentlich länger werden und dadurch steigt die Gefahr dass zB. ein Windhauch Blätter unscharf werden lässt. Neben der nachweislich sehr gut IR tauglichen Pentax k100d Super, soll auch die Pentax *ist Reihe, die Canon 350d und die Nikon Modelle D40, D50 und D70 ideal für Aufnahmen mit IR Filter sein.

Folgendes Tutorial bezieht sich speziell auf die Pentax k100d Super, den Hoya R72 IR Filter und eine Bearbeitung mit Photoshop CS3. Es gliedert sich in 2 verschiedene Phasen: 1. die Aufnahme und 2. die Bildbearbeitung. Das Tutorial richtet sich nicht an Anfänger, denn die gängigen Grundbegriffe der Spiegelreflexfotografie und Bildbearbeitung werden als bekannt voraus gesetzt.


1. Die Aufnahme

Der Hoya Infrarotfilter „schluckt“ extrem viel Licht. Folgende Aufnahme entstand bei strahlendem Sonnenschein und einer moderaten Blende 8 und 1/500 Sekunde.



Mit Infrarotfilter und gleich bleibender Blende musste das Bild 1/6 Sekunde lang belichtet werden.



Wer über ein ruhiges Händchen und kamerainternen Bildstabilisator verfügt könnte eventuell noch frei Hand fotografieren, für alle anderen ist ein Stativ ein unbedingtes Muss. Ein Stativ ist aber noch aus einem anderen Grund empfehlenswert, wie wir später bei der Bearbeitung sehen.

Man hat ein schönes Plätzchen gefunden, die Sonne scheint und kleine Wolken ziehen am Himmel vorbei. Da man durch den Sucher der Kamera bei aufgeschraubtem Filter nichts mehr sieht, sollte man den Bildausschnitt vorher wählen, das Stativ fixieren und erst dann den IR Filter aufschrauben. Der Autofokus der Pentax k100d Super funktioniert auch mit aufgesetztem IR Filter, wenn auch etwas träge. Um ein Verwackeln beim Auslösen zu Vermeiden empfiehlt es sich einen Fernauslöser und/oder die verzögerte Auslösefunktion der Kamera zu benutzen.

Am einfachstes ist es, im M Modus und im RAW Format zu fotografieren. Der Knackpunkt bei der IR Fotografie ist der Weißabgleich, so dass es am sinnvollsten ist diesen in Ruhe später am Rechner vorzunehmen und das Bild im RAW Format aufzunehmen. Da IR Fotos zu starkem Rauschen tendieren, ist es sehr sinnvoll mit dem niedrigsten ISO Wert zu fotografieren. Bei der Pentax k100d Super ist das ISO 200. Unser Beispielbild hat folgende Exif Daten:

Brennweite: 29mm
Verschlusszeit: 1/6 Sekunde
Blende: F8.0
Iso: 200


2. Die Bildbearbeitung

Wir öffnen das Bild mit einem RAW Konverter der Wahl. Für unser Beispiel benutzen wir den RAW Konverter Camera RAW für Photoshop.


2.1. Weißpunkt setzen

An dieser Stelle wird nur der für die IR Fotografie relevante Schritt dargelegt, alles weitere wie Objektivkorrekturen, Klarheit, Rauschverhalten und Schärfen mittels RAW Konverter kann man, wenn man mag, wie üblich handhaben. Für unser Beispiel wurde noch eine Belichtungskorrektur um den Wert +1,5 durchgeführt, ansonsten wurde auf jede weitere Bearbeitung im RAW Konverter verzichtet. Wir setzen mit der Weißabgleichspipette den Weißpunkt auf etwas, das im Bild normalerweise Grün war, also Blätter von Bäumen oder Gras von Wiesen. Dann öffnen wir das Bild in Photoshop.




2.2. Tonwertkorrektur

Wir erstellen eine neue Einstellungsebene „Tonwertkorrektur“ (Ebene > Neue Einstellungsebene > Tonwertkorrektur…). Wir nehmen die weiße Pipette und klicken damit in den hellsten Bereich von Bäumen oder Gräsern. Nun erscheint alles was in einem normalen Bild grün war, strahlend weiß. Weitere Feinheiten kann man natürlich noch nach Belieben vornehmen, wie zB. auch einen Schwarzpunkt setzen.




2.3. Kanalmixer

Im 3. Schritt erstellen wir eine neue Einstellungsebene „Kanalmixer“ und tauschen dort den Rotkanal mit dem Blaukanal aus, wie in dem folgendem Bild dargestellt:



Himmel und Wasser sollten jetzt in einem knalligen Blau leuchten. Eventuell haben die Pflanzen im Bild noch einen leichten Magenda-Stich, welchen wir aber auch ohne Probleme beheben können.


2.4. Individuelle Bearbeitung

Das war es im Wesentlichen schon und damit habt ihr die Grundlage für eines _dieser tollen_ IR Fotos. Alles was jetzt kommt ist Finetuning. Nach dem Reduzieren aller Ebenen auf die Hintergrundebene wird mit einer Einstellungsebene „Farbton/Sättigung“ der Magendastich entfernt und das Blau in Himmel und Wasser angepasst. Mit einer Einstellungsebene „Gradationskurve“ könnt ihr euer Bild noch kontrastreicher gestalten. Natürlich kann man jetzt auch mit dem Hochpassfilter arbeiten, ganz wie man mag. (Selektives) Entrauschen und Nachschärfen bilden den Abschluss der Bearbeitung.

Wer es etwas aufwendiger mag schneidet nun 2 Fotos zusammen: ein IR Foto und ein „normales“ Foto. Damit können Baumstämme braun werden, Häuser in realen Farben dargestellt und Blumen bunt werden. Dazu ist es wichtig, dass man das Motiv deckungsgleich aufgenommen hat, am Besten mit Stativ. Photoshop bietet unzählige Möglichkeiten des Freistellens, die sicher irgendwann Thema in einem weiteren Tutorial sein werden.
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Geschrieben von Felicitas am 08.06.08 13:01 (seit dem 5752 mal gelesen)
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