Postpla.net: Community-Forum

Zeitrausch & Welt  ->  Artikel über Kultur und Gesellschaft

Insgesamt 70 Einträge mit 126383 Zugriffen seit 23.06.2005

Krebsschaden Gesellschaft

Alles wird besser und nichts wird gut?



Heute morgen bei Cappuccino und Toast drang der Song "An Tagen wie diesen" von Fettes Brot in mein Ohr. Schon hundertmal im Frühstücksradio gehört, ignorierte ich ihn anfangs, um dann doch auf einmal genauer hin zu hören. Die Nachrichten waren ganze 2 Minuten her und während ich noch über die psychologische Wirkung der Musikwahl staunte, blieb mir mein letzter Bissen fast im Halse stecken. So wurde doch nur wenige Momente vorher von zwei Babyleichen im Gefrierfach berichtet, die deren 15jähriger Bruder fand. Ein Amoklauf in den USA forderte über 30 Tote, hauptsächlich Studenten. Es drang sich mir die Frage auf: Was ist nur mit uns los?

Die Herren von Fettes Brot haben recht, wenn sie sagen "[...]doch warum kann mich mittlerweile nicht mal das mehr erschrecken wenn irgendwo Menschen an dreckigem Wasser verrecken?[...]" Sind wir abgestumpft? Hören wir nicht mehr hin, weil es uns quält?

Bei verschiedenen Gesprächen bekomme ich immer wieder zu hören: "Das wird immer verrückter hier!" Und auch ich muß schweigend nicken. Immer wieder stellt sich mir dir Frage: "Warum?" Befinden wir uns mitten in einer riesigen gesellschaftlichen Veränderung? Oder sind es die Medien, die nicht müde werden, uns von derartigen menschlichen Untaten zu berichten?

Antworten darauf habe ich nicht. Nur Fakten und Spekulationen. Beginnen wir mal bei unserer Basis. Den Kindern und deren Familien. Steigende Scheidungsraten gehen einher mit weniger Eheschließungen. Fallende Geburtsraten und hohe Familienverschuldungen. Das konventionelle Bild der Familie scheint überholt, und wird von Patchworkfamilien und Alleinerziehenden scheinbar ersetzt. Doch was soll aus diesen, unseren Kindern werden? Was für ein Erwachsener wird ein Kind sein, das selber keinen festen Platz in seinem "Familienchaos" hat? Mütter oder Väter und Geschwister immer mal wechseln? Ich denke, wir erziehen kleine Individualisten mit einem Hang zu Narzissmus. Kleine Egoisten, die nur ihrem eigenen Weg folgen. Zwischenmenschliche Beziehungen machen ihnen Angst. Sie sind beziehungsunfähig. Und doch fehlen in deren Leben die Konstanten. Familie und Freunde, die sie auf ihrem Weg dauerhaft begleiten. Mentale Einsamkeit macht sich breit in einer Welt voller buntglitzerndem Schein. Diese Einsamkeit führt zu Frustration und Frustration zu Depression. Schon heute haben Psychologen einen ungeschlagenen Zulauf. Und es reißt nicht ab.
Und was ist mit denen, die sich nicht helfen lassen? Die sich eine psychische Erkrankung nicht eingestehen können, oder diese gar nicht erkennen? Die, die Angst vor der Blosstellung haben, einen Psychologen / Psychiater aufzusuchen? Wir werden sie nicht erkennen. Und die, bei denen jegliche Therapie fehlschlägt? Nur einige wenige treten ins Rampenlicht. Wenn sie aus Verzweiflung auf irgendeinem Campus wie wild um sich schießen.
Die mediale Welt stößt einen Schrei des Entsetzen aus. Nach Veränderungen wird gerufen. Und was tun wir? Wir verbieten PC Spiele und dann ist alles gut. Ein paar Tage später redet keiner mehr darüber. Erledigt und weggeschlossen. Wir machen so weiter wie bisher. Bis zum nächsten Mal. Schließlich haben wir ja alle unsere eigenen, ganz persönlichen Probleme

Unsere Gesellschaft kränkelt. Wir haben einen Krebsschaden, dessen Metastasen uns immer wieder zwicken. Und wir machen ein Business daraus. Kann das gut gehen?

Ich blicke in die Augen meines Sohnes, der sich genüsslich die letzten Cornflakes in den Mund stopft. Ein zauberhafter verschmierter Kindermund lächelt mich an und meine grauen Gedankeswolken sind verschwunden.
Es liegt an uns, unseren Kindern zu zeigen, daß trotz allem guten Individualismus, das Gemeinsame unsere Gesellschaft lebensfähig macht. Ihnen begreiflich zu machen, daß wir uns gegenseitig viel zu geben haben.

Denn:

"Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder." (Alighieri Dante)

Nur sollten wir nicht vergessen immer mal auch in diese Augen zu sehen! Wir waren alle mal Kinder. Erinnern wir uns daran!








Dazu im Postpla.net :  Kein Thema angegeben
Geschrieben von Farya am 17.04.07 14:02 (seit dem 1608 mal gelesen)
87.5% /  Lupuz Rank 9  Mit insg. 8 Bewertungen erreichte dieser Artikel 87.5 Prozent.
Bewerte mit (nur für Benutzer) :

Ähnliche Artikel zu Krebsschaden Gesellschaft

Aktuelle Kommentare zu Krebsschaden Gesellschaft

Kommentar Von einem Gast (14.05.07 17:02):
gibts denn überhaupt noch hoffnung?

in meinen augen kaum. ich kämpfe immernoch mit dem gedanken nachfaren in die welt zu setzen. ich möchte keine kinder haben dessen erdboden dem untergang geweiht ist. ich bin froh wenn ich dass halbwegs schmerzvoll überstehe...

was die rettung der natur angeht, so glaube ich ist es für unsere generation definitiv zu spät. wir werden die folgen der taten unserer großeltern zu spüren bekommen. wie mein voriger schreiber schon sagte: hochwasser, dürren, stürme...
es ist unvermeidlich.
immerhin ist die erde nicht groß anders wie der mensch (ist vieleicht n bisschen weit her geholt)
sie existiert um in symbiose mit vielen organismen leben zu schaffen.

wenn ich dann an meine kleinen staubmilben, bakterien und keime denke, die in meinem körper eine unterkunft gefunden haben, dann ist es der welt nicht zu verdenken sich zu rächen.

die erde hat fieber, könnte man sagen. das hochwasser ist der kalte wickel, die wüste die warme decke und die stürme das imunsystem. und damit kuriet sie die krankheit "mensch" nun aus.

schade drum, ich mag diese welt, wie wohl millionen von menschen auch. aber zu viele mögen den kommerz einfach lieber....
Kommentar Von einem Gast (06.05.07 16:45):
der Werte-Verfall ist noch nicht gestoppt. in vielen köpfen ist das Bewusstsein dessen vorhanden. die Möglichkeit und der weg für Veränderung nicht erkannt. starke Persönlichkeiten bedarf es deren Eigenes Glück auf Verzicht beruht. solange das denken um Geld, Prestige und macht sich dreht wird es schwer den Menschen wieder an die Natur „anzupassen“ bzw. sein Bewusstsein für den Erhalt seines Lebensraumes zu stärken und zu fördern. mit dem willen zum lernen und dem Fleiß der in Arbeit steckt, geführt durch Vernunft und Einsicht wäre es möglich Dinge zu ändern die in ihrer Auswirkung positiv auf die Natur und das leben für Tier und Mensch wirken. in der heutigen unseren Gesellschaft ist es nur durch ein Massenwirksames, konsequentes, dauerhaftes auftreten der Medien möglich das Volk zu erreichen. es ist vieles schief gelaufen in den letzten Jahrhunderten. geleitet von Habsucht, Missgunst und anderen negativen Einstellungen erhielten Kräfte die Möglichkeit ihre einseitige Gedankenwelt anderen aufzudrücken und durchzusetzen. bestes Beispiel hierfür ist die Ausbreitung und Durchsetzung der Kirche zu sehen die viele Kulturen zerstörte ja sogar Völker vernichtete. vielleicht ist es nicht zu ändern und der Weg, der höhere Weg von jeher vorbestimmt. Ob durch diese oder eine andere weise geschehen. der Mensch ist zäh wenn es ums überleben geht. der drang den Weltraum zu erforschen und zu erobern ist ein Wunsch, ein Ziel welches bewusst oder unbewusst seit Jahrtausenden in den Köpfen existiert. durch den Drang nach Anerkennung und Dazugehörigkeit werden Kräfte freigesetzt die die persönliche Entwicklung fördern. besser zu sein bspw. als der Nachbar oder Kollege, bewirkt den antrieb zu tun was zu tun ist. die gier nach mehr und höheren ist auch zerstörerisch und so dennoch förderlich in einer anderen weise die wir so nicht unbedingt sehen. unsere Entwicklung hat einen enormen Boom in den letzten Jahrzehnten genommen. dank friedlicher Koexistenz der Staaten und Menschen, dank persönlicher reife verschiedenster Würdenträger und Entscheidungsbefugter, und dem streben nach Veränderung sind Voraussetzungen geschaffen worden die ein rasantes flächendeckendes Tempo in Sachen Bildung, Forschung und Entwicklung herbeigeführt haben.
Einige Gedanken zum lauf der Dinge:
ein armer Schlucker denkt an sein nächstes Mahl. Getrieben von Hunger ist essen sein einziger Gedanke. oder ein Penner der an seinen nächsten Alkoholgenuss denkt und ein Drogenkonsumer an seine nächste spritze die er sich setzen kann haben eines gemeinsam. ständig in Geldnot und in Beschaffungszwang um ihrem verlangen die wohltuende ruhe zu geben die von nur ganz kurzer begrenzter zeit ist. Ein lebenslanger Kampf mit einem und dem selben Gedanken im Kopf, abgefunden, abgenabelt getrieben durch eigene Dummheit oder von anderen Menschen in diese Lage gebracht. ein Sozialempfänger denkt in der Regel daran wie er seinen Tag im ruhigen ohne große Anstrengungen durchleben kann. er schläft viel, sitzt wenn er einen hat vorm pc und zockt, er ist nicht ausgelastet, leicht reizbar, und schiebt alles erdenklich auf andere. in seiner Intelligenz und Fähigkeiten stagnierend und dennoch zum Großteil seiner Lebensweise zufrieden. Für den Staat ein kleiner Preis um für Sicherheit auf den Straßen zu sorgen, da hier die Grundbedürfnisse an Nahrung und Unterkunft gegeben sind und ein Zwang auf Beschaffung nicht besteht. ein Arbeiter sorgt sich seiner Familie und so wie ein studierender hat er die Möglichkeit weiteres Wissen zu erlangen und das in seiner Gedankenwelt weiter zu entwickeln, sowie neue Erkenntnisse und Fertigkeiten anderen mitzuteilen. alte und ältere Menschen waren Früher gern gesehene Leute, da sie in ihren Geschichten die sie erzählten aus ihren Erfahrungen ihrem Wissen der Dinge zu berichten wussten. Durch diese Zusammengehörigkeit dem lauschen der Worte war eine angenehme von Liebe und Zuneigung geprägte Atmosphäre in den Stuben die heute nicht mehr in dieser Form vorhanden ist. heute sind es die Medien die diese Aufgabe übernehmen. jedoch mit sehr vielen unnützen und falschen Inhalten. Die Familien reden aneinander vorbei und das Kind was man glaubt zu kennen entpuppt sich vom Charakter her als ein anderes Wesen. Und die Eltern die man glaubte zu haben entpuppen sich sehr oft als unfähig dem Kind die stütze zu sein die es braucht, um standhaft und fest in seinem guten Charakter zu werden. es gibt noch die Lehrer die diese Aufgabe nach wissenschaftlicher Erkenntnislehre weiter vermitteln. was die Kinder die dieses Wissen erlernen daraus machen oder ob sie durch finstere Kräfte von ihrem Weg abkommen ist eine andere Sache. der Kreis der Entwicklung schließt sich. so wie die Jahreszeiten sich ändern und wieder kommen, so bekommt der Mensch hin und wieder eine Möglichkeit seinem ich weitere Impulse zu geben die in ihm neue Leidenschaften wecken und seiner Persönlichkeit Nahrung zur Entwicklung sind.

der lauf der Entwicklung behebt auf der einen Seite die Probleme und bringt Erleichterung. auf der anderen Seite. fatale folgen für Tiere, Pflanzen, Landschaften, Meere und auch für uns dem Menschen. vieles ist nicht auf dem ersten blick zu durchschauen und zu erkennen. dennoch befinden wir uns auf einem Wege der im Moment durch Kapitalismus getragen, wird jedoch durch eine uns noch völlig unbekannte Gesellschaftsform erreicht werden. die Wirtschaft ist mittlerweile im Zugzwang. Rohstoffe sind knapp, Fische gibt es fast nicht mehr, Dürren und Überflutungen sind an der Tagesordnung. der menschliche Überlebenswille ist zu groß, auch wenn er zu meist nach der Geldgier und der gier nach Macht erscheint, sind die Anzeichen heute zu sehen. Anzeichen einer Veränderung die über lang zurück zu den werten der Ahnen führt. eins zu sein mit sich und der Natur. Körper und Geist vereint mit der oder den Energien die auf der Erde fließen stehen in einem geordneten Verhältnis zu Technik und Fortschritt. Fantasten, große Denker mit einer enormen Vorstellungskraft und unerschütterlichem Willen zur Mitteilung und Verfechtung ihrer Ansichten haben diese unsere Welt verändert. mit Poesie die uns jeden berührt, werden wir daran erinnert das es in uns eine Realität gibt die nicht zu fassen ist und uns dennoch bewegt, leitet und schützt. unsere Seeligkeit bedarf an Nahrung. Nahrung die sie nicht verkümmern lässt. unser Gehirn bedarf an Nahrung. Nahrung das es nicht stumpfsinnig wird. es muss von interessanten Informationen beflügelt ja sogar gefordert werden. das geben wir ihm bspw. durch ein Buch was wir lesen. unsere Seele dankt es durch Empfindungen die wir während dessen empfinden. und unser allgemeines Wohlbefinden strahlt nach außen. die Poesie die wir über Freud und Leid lesen ja empfinden arbeitet in uns weiter und gibt uns eine neue Sichtweise auf die Dinge. dies ist ein Weg gegen Stagnation, Unzufriedenheit und innere Leere vorzugehen. die Fülle an Empfindungen kann sehr enorm sein. Leidenschaften die geweckt werden sollten gepflegt werden sofern sie niemanden, der Natur und dem Menschen keinen Schaden zu fügen. die Freuden die hierdurch erlebt werden machen das Leben sinnvoll.

von rocco walther
Kommentar Von einem Gast (30.04.07 13:18):
du sprichst mir aus der seele!
ich (nunmehr 21 jahre jung) bin aufgewachsen in einer guten kinderstube und selbst wohl fast noch ein kind. ich werd das auch in nächster zeit nicht ablegen, da die "erwachsenen" in meinen augen viel zu selten eine vorbildfunktion einnehmen..

"mit 'geiz ist geil' und 'dreistigkeit siegt', die Ehre ihr Todesurteil erhielt" (zitat Wolf S.)

ich hasse das 21. jahrhundert. zu viele informationen für zu viele köpfe... der mensch ist kein individuelles wesen (er hält sich für eins, ja, aber er ist keins) der mensch ist vielseitig aber nicht individuell... denn sonst hätten wir uns der welt angepasst und nicht die welt an uns >_>

ach ja, ich könnte stunden darüber philosofiern und am ende würde ich immer wieder auf den selben gedanken kommen: was für eine zeitverschwendung darrüber zu reden statt es anzupacken.

und wenn man sich dann entschlossen hat nichtmehr drüber nachzudenken starrt man in die glotze oder auf den monitor in der hoffnung, man könne sich von seinen eigenen gedanken ablenken.

:D :) :o :p :( ;) [B] [I] [U] [D] [URL] [EMAIL] [-][+] Neuer Kommentar Kommentar abgeben :

Artikel Autor


dabei seit 07.04.07
90 PP Beiträge
4 Lupuz Artikel

Weiblich Deutschland/Ost Leipzig

ICQ