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Kinderloses DeutschlandDer Wunsch als Vater nicht nur des GedankensDeutschland stirbt aus!
So oder so ähnlich ist der Tenor angesichts der demographischen Entwicklung in Europa und insbesondere in Deutschland. Einer Statistik vom Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften zufolge kommen auf jede Frau in Deutschland durchschnittlich 1,34 Kinder. Notwendig für den Erhalt einer modernen Gesellschaft wäre Berechnungen zufolge eine Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau. Doch woher die fehlenden 0,76 Kinder nehmen? Was ist der Grund für diese Diskrepanz? An beiden Fragen haben sich schon unzählige Demographen sowie Wissenschaftler anderer Disziplinen den Kopf zerbrochen. Die gefundenen Antworten zur zweiten Frage sind oftmals ebenso vielseitig wie die zur ersten Frage schlecht in die Realität übertragbar sind. Die Geschichte des kinderlosen Deutschlands startete mit dem so genannten "Pillenknick" Mitte der 60er Jahre, wo die Geburtenrate erstmals rapide sank. Ob mit der Markteinführung der Anti-Baby-Pille zusammenhängend oder nicht, fiel die Geburtenrate in der Dekade von 1965-1975 von 2,49 auf 1,5 Kinder pro Frau. Auch ohne die plötzliche Verfügbarkeit, Sicherheit und Einfachheit der Empfängnisverhütung wäre die hohe Geburtenrate des "Baby-Booms", der Jahre des Wiederaufbaus und des deutschen Wirtschaftswunders, sicher nicht von Dauer gewesen. Doch Angesichts des niedrigen Standes und der weiterhin tendenziell fallenden Rate reicht dies als Erklärung nicht aus, genauso wenig wie die Emanzipation der Frau - dies macht allein ein Vergleich mit anderen Ländern Europas mit höheren Geburtenraten deutlich. Doch warum gehören in Stockholm mehr Kinderwagen zum Stadtbild als in Berlin? Die Antwort liegt vermutlich in gesellschaftlichen Tendenzen und Strömungen. Nicht nur begünstigt die viel geringere Bevölkerungsdichte in Schweden vermutlich einen höheren Wunsch nach Nachkommen insbesondere in ländlichen Gebieten. Auch scheint der Familienzusammenhalt besser zu sein, denn auch wenn die Scheidungsrate ähnlich hoch ist wie in Deutschland, lebten 2001 78% der unter 18-jährigen mit beiden Elternteilen zusammen. Doch vor allem wird in Skandinavien schon länger etwas geboten, woran die Politiker in Deutschland erst vor Kurzem ernsthaft zu arbeiten begonnen haben. In Schweden steht es jedem Arbeitnehmer gesetzlich zu, ein Jahr vom Beruf zu pausieren um sich der Kindererziehung zu widmen. Diese Möglichkeit schlägt sich darin nieder, dass in Schweden 36% aller Väter eine Elternteilzeit in Anspruch nehmen, während sich hierzulande zurzeit nur 0,2% der Erzeuger dazu bewegen lassen. Weiterhin sind die Kinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland den Einrichtungen in Skandinavien in Qualität und Quantität noch immer bei Weitem unterlegen. Auch wenn der Staat also noch viel tun kann und muss, um die Rahmenbedingungen für das Kinderkriegen zu verbessern, sind es vor allem gesellschaftliche Tendenzen die sich ändern müssten um eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen. Frauen muss eine Perspektive geboten werden, wie sie trotz erfülltem Kinderwunsch beruflich erfolgreich sein können. Für die meisten Frauen gerade aus gebildeten Bevölkerungsschichten ist das Zeitfenster für eine Schwangerschaft sehr klein, und immer mit einem hohen Berufsrisiko verbunden. Nach der Schule sollte möglichst schnell mit dem Studium begonnen werden, welches unbedingt mit einem sofortigen Einstieg in das Berufsleben beendet werden sollte. Auch später ist das Risiko die Chance auf eine gute Position mit der Geburt eines Kindes zu verlieren sehr hoch - das alles während die biologische Uhr unerbittlich und unaufhaltsam tickt. Hier muss der Staat Abhilfe schaffen. Es muss nach - durch welche Gründe auch immer verursachter - Arbeitslosigkeit schnell wieder möglich sein in das Berufsleben einzusteigen. Dies ist beispielsweise im vielbeachteten dänischen Arbeitsmarkt viel eher die Regel, wo ebenfalls viele Arbeitnehmer ihren Job verlieren - jedoch im Gegensatz zu deutschen Arbeitslosen in der Regel schnell wieder einen vergleichbaren finden. Weiterhin sollte versucht werden einer allgemeinen Tendenz zum Pessimismus und der Perspektivlosigkeit entgegenzuwirken. Hier sollte anstatt Geld für millionenteure "Du bist Deutschland!"-Kampagnen aufzuwenden dieses lieber in die Förderung von Jugendlichen und in die Schaffung von beruflichen Perspektiven für Jugendliche aus allen Bildungsschichten gesteckt werden. Vielleicht ist es dafür sogar notwendig, die Wirtschaft über freiwillige Selbstverpflichtungen hinaus in die Verantwortung zu nehmen. Schließlich lehrt die Geschichte dass sowohl Wirtschaft als auch Politik nur äußerst selten über den eigenen historischen Tellerrand hinaus verantwortungsvoll zu wirtschaften versteht. Vielleicht ist aber auch Angesichts der immer weiter fortschreitenden Ressourcenverknappung und des hohen Bevölkerungswachstums in anderen Erdteilen die derzeitige demographische Entwicklung zwar für Deutschland tragisch, in einem internationalen Kontext hingegen eher von Vorteil. Dies kann nur die Zukunft zeigen; den 1,34 Kindern pro Frau die sie in Deutschland geboren erleben werden. Weitere Quellen: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page?_pageid=1996... http://www.schader-stiftung.de/gesellschaft_wandel/416.ph... http://www.bpb.de/wissen/0OBM9A,0,Entwicklung_der_Geburte... http://www.schwedentor.de/wissen/bevoelkerung.htm... http://www.frankenpost.de/nachrichten/bilddestages/resyar... Quelle : International Herald Tribune Dazu im Postpla.net : Kein Thema angegeben Geschrieben von typowriter am 22.02.07 16:04 (seit dem 1952 mal gelesen) Ähnliche Artikel zu Kinderloses Deutschland
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