Die Toilette. Für die einen ist es Mittel zum Zweck - für andere ist das "Stille Örtchen" eine abgeschlossene Urlaubszone, welches zu Ruhepausen und stundenlangem Zeitungs- oder Buchlesen und als Ausgleich vom sonst stinkendem Alltag einlädt. Doch was ist das für ein mysteriöser Ort, den wir alle mehr oder weniger regelmäßig nutzen, der uns von so mancher Last befreit, dem wir unser intimstes anvertrauen - aber trotzdem keinen persönlichen Einzug in dem Herzen des Benutzers erfährt, namenlos bleibt und wohl niemand bekennen würde das er seine Toilette liebt, während man das bei anderen Gegenständen (wie zum Beispiel dem Bett, dem Fernseher oder einem alten Schrank) kein Problem darstellt?
Der Siegeszug der Toilette
Befassen wir uns zunächst mit dem geschichtlichem Siegeszug der Toilette. Eine der ersten Fragen des denkenden Menschen wird wohl das „wo“ gewesen sein. Das „wie“ ist anatomisch vorgegeben (aber auch hier gibt es kulturell unterschiedliche Entwicklungen, dazu später mehr). Während die Herren der Schöpfung die kleine Notdurft quasi „aus dem Stand heraus“ auch flott während der Jagd an einem Baum absondern konnten und sich auch sonst eher weniger ihrer Exkremente genieren haben wir es wohl vorwiegend der Frau zu verdanken das nach und nach aus den gemeinsamen Familienscheisshaufen und Erdgruben vor der Hütte getrennte und komfortablere Anstalten entwickelt haben. Bis in die Antike ist kaum etwas über den sozialen Aspekt des Stuhlgangs bekannt, erst ab Mittelalter wurde die Infrastruktur der explodierenden (und wohl nicht allzu lecker duftenden) Metropolen der damaligen Welt der Notdurft angepasst. Die bekannteste war wohl die „Cloaca Maxima“ im alten Rom,
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Latrine der Antike
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erbaut und bestimmt nicht persönlich gepflegt durch den 5ten König Roms, Tarquinius Priscus. Damals eine Attraktion: Stundenland trafen sich Männlein und Weiblein in öffentlichen Scheisshäussern ohne penible Abtrennungen und quatschten über Gladiatoren, den Kaiser und über das letzte Mittagessen, während man sich sichtlich erfreut über den damaligen Luxus erleichterte. Aber eigentlich ging man schon gar nicht mehr zum kacken hin, sondern um das soziale Umfeld in entspannender Atmosphäre zu genießen.
Heutzutage sind die Latrinen und Abwasserkanäle des Mittelalters und der frühen Neuzeit wichtige Archäologische Nährboden, da durch den Sauerstoffmangel in den Exkrementen und anderen Abfällen und dem daraus resultierendem fehlendem Oxidationsprozess die Fundstücke besonders gut erhalten sind.
Im Laufe der Zeit, je sauberer und hygienischer die Menschheit wurde (oder sich fühlte), desto mehr versuchte man auch das schmutzige Thema des Kotes zu umgehen. Gemeinsam mal kräftig kacken gehen wie die Römer war plötzlich out, furzen nach dem Essen galt nicht mehr als vornehme Geste und man genierte sich seines Kotes, egal in welchem Konsistenzzustand. Keiner durfte mehr wissen was das man auch zu denen gehört die hin und wieder mal… na pfui. Langsam wisst ihr es ja schon

. Also stützte sich die Entwicklung auf die heutigen modernen Toiletten mit Wasserspülung und nimmt bis heute teilweise krankhafte Ausmaße an. Das geht von mittlerweile in unseren Kulturkreisen fest etablierten Duftspendern, farbigem Wasser und Toilettenpapier mit Aufdrucken und Blümchenduft über Supertoiletten die mit einem Wasserstrahl den Arsch nach der Notdurft von derselbigen reinigen bis hin zu dem derzeitigem Japanischen Toilettenschüsseln, die auftretende Geräusche erkennen und mit angenehmer Musik und Duft überdecken.
Als sozialer Aufhänger gilt die Toilette natürlich auch nicht mehr. Heutzutage gibt es „gemeinsame“ Toiletten (so genannte Unisex-Toiletten) nur noch Platzspargründen in Zügen und natürlich in Wohnungen und werden von den Familienmitgliedern in Einzelsessions genutzt, sogar für Freunde und Bekannte stellt man oftmals eigene „Gästeklo´s“ zur Verfügung.
In der Öffentlichkeit ist es verpflichtend getrennte Toiletten anzubieten, und alleine ein Zeichen von Mann und Frau nebeneinander weißt auf öffentliche Toiletten hin, ohne dass das „Logo“ einen konkreteren Bezug auf die Einrichtung selbst beinhaltet. Allein der Alkoholpegel lässt heute noch Kommunikation auf Toiletten zu, und nur die seltene Spezies der Weibchen scheint etwas im Mittealter hängen geblieben zu sein und verrichten Pärchen- oder gar Rudelweise ihr Geschäft.
Andere Länder, andere Shitten
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Türk. Stehklo
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An Flughäfen oder auch Firmen mit hohem Ausländeranteil findet man oft so genannte „Stehklos“ die in Muslimischen Ländern und Indien verwendet werden (nicht zu verwechseln mit unseren, in diesen Ländern verpönten Pissoirs). Bei der Verrichtung hockt man sich über das Loch im Boden und versucht möglichst zielgenau zu treffen. Das mindert natürlich den Kontakt mit Bakterien und Krankheitserregern in der Anusgegend, da man aber mit den Füssen (natürlich etwas hochgesetzt) direkt in der Toilette steht lassen sich Urinspritzer oder bei Flitzekacke auch anderes an den Beinen kaum vermeiden. Auch nimmt diese Form der Toilette jegliche häufig zelebrierte Gemütlichkeit aus der Angelegenheit. Ausserdem kann es passieren dass man das Gleichgewicht verliert, und dann… jaja. Trotzdem können sich Muslime nicht an unsere Toiletten gewöhnen, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Muss ein Muslim eine westliche Toilette benutzen, so hockt er sich auf die Klobrille und macht damit die Benutzung für den nächsten fast unmöglich.
Auch bei uns gibt es Unterschiede. Die deutsche Toilette, bei der man quasi auf eine Abstufung kackt, sein Werk vor dem Abspülen bewundern (und auf ersichtliche Krankheiten untersuchen) kann steht im harten Konkurrenzkampf zu dem Französischem Modell, bei der die Absonderung direkt hygienisch ins Wasser plumpst, aber dafür unhygienisch den Allerwertesten des Spenders beträufelt. Beide Toiletten sind sehr etabliert, den Nachteil des französischen Modells kann man mit vorher in die Toilette gegebenes Klopapier vermeiden.
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Richtig auf die Kacke hauen tun natürlich, wie könnte es anders sein, unsere High-Tech Freunde aus Japan. Etwas schnelllebiger fing man hier mit (muslimisch ähnlichen) Stehklos an, klaute sich unsere Westlichen Modelle und pimpte diese dann an eigenen Entwürfen auf, die sich mehr und mehr im eigenem Land durchsetzen. In der Regel wird in Japan die Klobrille auf Körpertemperatur beheizt, der Wasserdruck lässt sich einstellen, Gerüche werden weggepustet und Geräusche, so ist es in der Entwicklung, übertönt. Bei Supermodellen wird der Sitz automatisch hochgeklappt, über eine Kabellose Fernbedienung lässt sich das Klima in der Toilette bestimmen, es gibt eine Massagefunktion und Warmluftgebläse um den Anus nach der automatischen Reinigung per Wasserstrahl auch wieder trocken zu bekommen… und sogar eine Funktion für die Intimhygiene der Frau ist integriert, die, so behaupten böse Zungen, auch gerne zur ausdauernden vaginalen Befriedigung Verwendung findet…
Egal welchen Weg sie auch nimmt, das Leben besteht aus jeder Menge Scheisse, dass lässt sich nicht schön reden. Aber es lässt sich schöner damit umgehen. Die Toilette wird weiterhin Richtwert und Statussymbol des Fortschritts der Zivilisation bleiben – und wenn man sich überlegt wie luxuriös wir unser Geschäft heutzutage verrichten dürfen wir uns zumindest für den Moment wie Könige von damals fühlen…