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"Erdbeerfelder für immer"

Theater-Kritik: "Erdbeerfelder für immer" im Schauspielhaus Dresden



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Schon zwei mal, zum letzten mal am 19. Februar 2009, besuchte ich nun das Große Schauspielhaus in Dres­den, um mir das Stück „Erdbeerfel­der für immer“ anzusehen.

Eigentlich ist die Bezeichnung Theater­stück dafür jedoch recht unpassend – es gleicht eher einem Musical, da es im Prinzip zu 97% aus, von den Schau­spielern gesungenen, Liedern besteht. Offiziell betitelt wird das von Erik Gede­on geschriebene Stück mit dem einfa­chen Satz: „A really funny evening with singing Germans“.
Und wie dieser Satz schon andeutet, machen englische Lieder den Großteil des „Musicals“ aus.
Die Handlung
„Erdbeerfelder für immer“ spielt im deut­schen Musikarchiv, dass für die Verwal­tung und Erhaltung aller deutschen Künstler und Hits verantwortlich ist. Die Arbeit in diesem Musikarchiv be­schränkt sich jedoch auf das Überprü­fen und Abstempeln von Dokumenten. Das wird unter den wachenden Ohren des fast blinden Prof. Dr. Quentmeier erledigt. Doch sobald dieser den Raum verlässt drängt sich das wahre Innere der Bürokraten nach außen. Mit den Liedern drücken die Darsteller ihre Träume, Phantasien und geheimsten Wünsche aus. So beginnt das ganze z.B. mit „Let's have a party“, „Born to be wild“ oder „Anarchy in the UK“. Darauf folgen Drogenexesse und Orgien. In ih­rem Rausch begehen die benebelten wildgewordenen Angestellten dann sogar einen Mord. Der kurz darauf aber mit ei­ner wunderschönen Interpretation von „Creep“ bereut wird. Letztlich bleibt nur noch das totale Chaos und die Hoff­nungslosigkeit zurück.
Die Reaktionen
Nach dem Ende das Stückes tobte das Publikum förmlich. Es wurde geklatscht, getrampelt, gepfiffen und es gab Jubel­schreie. Es war kein Ende des Jubels in Sicht und die Darsteller boten noch eini­ge Zugaben. Dafür gaben sie noch ein­mal gesungene Lieder aus dem Stück zum Besten. Zuletzt wurde das Publi­kum sogar noch mit Süßigkeiten bewor­fen.
So stellt man sich Theater vor!
Meine Meinung
Wie man vielleicht schon dadruch er­kennen kann, dass ich mir das Stück bereits zweimal angesehen habe, bin ich wirklich ein großer Fan von „Erd­beerfelder für immer“. Für mich war es eine vollkommen neue Erfahrung so et­was in einem Theater zu erleben – je­doch eine sehr positive Erfahrung.
Provokativ und nicht leicht zu verdauen war es jedoch schon. So gab es sicher einige abstoßende Szenen, wie z.B. als sich einer der Darsteller auf der Bühne übergab. Oder auch einige fragwürdige Liedtexte wie z.B. „I wanna fuck you like an animal. I wanna feel you from the in­side.“ Und die Orgien und Drogenexes­se waren der Meinungen anderer zufol­ge teilweise fehl am Platz. Doch ein Theaterstück ist letztendlich zum provo­zieren da – und das ist auch gelungen.
Oft wird „Erdbeerfelder für immer“ auch nur als „Leichte Kost“ oder als spaßiges Musical bezeichnet – doch ich denke, man kann auch einen tieferen und traurigeren Sinn dahinter entdecken. Denn ich denke das Stück bringt sehr gut den monotonen Büroall­tag zum Ausdruck, der einen früher oder später in den Wahnsinn treibt ...


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Geschrieben von Stelo am 21.03.09 15:03 (seit dem 3451 mal gelesen)
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