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Else Lasker-Schüler

Meine Lieder trugen des Sommers Bläue und kehrten düster heim



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Elisabeth Schüler wird am 11. Februar 1869 als Tochter des jüdischen Privatbankies Aaron Schüler und dessen Frau Jeanette in Elberfeld (bei Wuppertal) geboren.
Der früher Tod ihrer geliebten Mutter Jeanette (1890) ist ein Erlebnis, das sie ihr ganzes Leben nicht mehr loslässt und das sie auch in zahlreichen Werken verarbeitet:

„Meine Mutter hatte goldene Flügel,
Die keine Welt fanden.
Horcht, mich sucht meine Mutter,
Lichte sind ihre Finger und ihre Füße wandernde Träume.
Und süße Wetter mit blauen Wehen
Wärmen meine Schlummer
Immer in den Nächten,
Deren Tage meiner Mutter Krone tragen.“ (Mein stilles Lied)

Sie führte nie ein gewöhnliches Leben und beginnt schon frühzeitig, gegen die bürgerlichen Traditionen zu rebellieren. 1894 heiratet sie den Arzt Berthold Lasker, von dem sie sich kurze Zeit später wieder scheiden lässt. Nach der Scheidung zieht sie nach Berlin, wo sie sich ihrer zeichnerischen Ausbildung widmet
und dort schnell Anschluss an die Künstlerszene findet, unter anderem durch Peter Hille, der später ihr engster Freund wird.

1899 wird ihr Sohn geboren, von dessen Vater sie nicht einmal den Namen kennt.
In ihren frühen Werken, die noch stark vom Impressionismus geprägt sind, feierte sie die Freude am Leben, erst später waren ihre Inhalte auch Verlorensein, Depression und Trauer.
In ihrem noch jungen Leben schließt sie zahlreiche Künstlerfreundschaften, z.B. zu Gottfried Benn, der später ihr Geliebter sein wird, oder Richard Dehmel.
Else erlebt bald erneut das Glück der Liebe und heiratet zum zweiten Mal, diesmal Herwarth Walden.
Doch ihr Glück soll nicht ungetrübt bleiben: 1906 stirbt ihr engster und bester Freund Peter Hille, sie widmet ihm ein Buch. Nach Hilles Tod beginnt Else Lasker-Schüler ihre Selbstmythisierung, die fortan ihr Leben und Werk bestimmt:

„Ich bin der Hieroglyph,
Der unter der Schöpfung steht.“ (Mein stilles Lied)

Im Laufe der Zeit wird sie zur führenden Repräsentantin des Expressionismus, doch ihr künstlerischer Erfolg, wird erneut von persönlichem Leid überschattet: auch ihre zweite Ehe wird nach neun Jahren geschieden. Danach ist sie völlig mittellos und auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen.
Typisch für diese Ausnahmekünstlerin ist ihr unkonventioneller Lebensstil, sie spaziert 1914 als Prinz verkleidet durch Berlin und bezeichnete sich schon vorher oft selbst als „Prinz von Theben“, weswegen sie kritisiert, belächet und parodiert wurde.
Sie verliert erneut enge Freunde wie Franz Marc durch den ersten Weltkrieg und 1927 stirbt ihr Sohn. Nach diesem schweren Schock zieht sich Else weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück.
Schließlich muss sie nach der Machtergreifung der NSDAP auch noch ihre Heimat Deutschland verlassen und flüchtet in die Schweiz. Drei Reisen nach Palästina folgen. Von der letzten kann sie wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges nicht mehr zurückkehren.
So stirbt sie am 22. Januar 1945 als bekannte Schriftstellerin und Malerin in Jerusalem. Ihr eigenes Ende sah die Künstlerin kommen:

„Mit mir geht es zu Ende, ich kann nicht mehr lieben.“

Auch in ihrem Gedicht „Ich weiß“ verarbeitete sie Todesahnungen.
Die letzten Jahre waren sehr schwierig für sie, Else war finanziell am Ende, kaufte Dinge, die ihr momentan wichtig erschienen - ohne zu überlegen, wovon sie am nächsten Tag leben würde. So beschenkte sie Kinder und Bettler, speiste in guten Restaurants und verfütterte teuere Lebensmittel an wildlebende Vögel. Dabei war ihr Vorratsschrank leer. Sie besaß nicht einmal ein Bett, schlief in einem Liegestuhl, ihre Koffer packte sie nicht aus.
Ihr Ganzes Leben über begleiteten sie Todessehnsüchte „Oh, ich möchte aus der Welt“
und sie wurde von Tag zu Tag schwächer und kränklicher. Doch auch im hohen Alter hatte sie sich noch einmal verliebt, wurde aber enttäuscht, da der Mann verheiratet und um einiges jünger war.

Für mich ist Else Lasker-Schüler eine großartige und einmalige Künstlerin, eine Meisterin bewegender Lyrik, voll tiefer Liebe, Trauer und festem Glauben. Sie bezaubert mit einer verträumten und doch klaren Sprache und einer ganz eigenen Sicht auf das Leben und die Welt und die Liebe...

Ich möchte Else Lasker-Schüler nun zum Abschluß noch einmal selbst zu Wort kommen lassen:

Mein blaues Klavier

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.
Es steht im Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.
Es spielten Sternenhände vier
– Die Mondfrau sang im Boote –
Nun tanzen die Ratten im Geklirr.
Zerbrochen ist die Klavirtür…
Ich beweine die blaue Tote.
Ach liebe Engel öffnet mir
– Ich aß vom bitteren Brote –
Mir lebend schon die Himmelstür –
Auch wider dem Verbote.



Weltflucht

Ich will in das Grenzenlose
Zu mir zurück,
Schon blüht die Herbstzeitlose
Meiner Seele,
Vielleicht - ist's schon zu spät zurück!
O, ich sterbe unter Euch!
Da Ihr mich erstickt mit Euch.
Fäden möchte ich um mich ziehn -
Wirrwarr endend!
Beirrend,
Euch verwirrend,
Um zu entfliehn
Meinwärts!

http://www.else-lasker-schueler-gesellschaft.de...


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Geschrieben von Arsinoe am 23.11.07 13:01 (seit dem 2953 mal gelesen)
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