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Die Reiter der Apokalypse

Woher kommt der Mythos der 4 Reiter? Milan Stürmer ist der Sache auf den Grund gegangen



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Hunger, Tod, Krieg und Pestilenz. Wer kennt sie nicht, die vier Reiter der Apokalypse? Schließlich findet man sie in Musik (Metallica; Aphrodite’s Child), Kunst (Albrecht Dürer; Peter von Cornelius), Literatur(Terry Pratchett; Neil Gaiman)… Doch wo hat es seinen Ursprung?

Die Reiter der Apokalypse werden haben ihren Ursprung in der „Offenbarung des Johannes-Kapitel 6: Die sieben Siegel und die Sieben Posaunen“. Dort heißt es:

Offb. 6,1 Dann sah ich: Das Lamm öffnete das erste der sieben Siegel; und ich hörte das erste der vier Lebewesen wie mit Donnerstimme rufen: Komm!
Offb. 6,2 Da sah ich ein weißes Pferd; und der, der auf ihm saß, hatte einen Bogen. Ein Kranz wurde ihm gegeben und als Sieger zog er aus, um zu siegen.
Offb. 6,3 Als das Lamm das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite Lebewesen rufen: Komm!
Offb. 6,4 Da erschien ein anderes Pferd; das war feuerrot. Und der, der auf ihm saß, wurde ermächtigt, der Erde den Frieden zu nehmen, damit die Menschen sich gegenseitig abschlachteten. Und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben.
Offb. 6,5 Als das Lamm das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte Lebewesen rufen: Komm! Da sah ich ein schwarzes Pferd; und der, der auf ihm saß, hielt in der Hand eine Waage.
Offb. 6,6 Inmitten der vier Lebewesen hörte ich etwas wie eine Stimme sagen: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar. Aber dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu!
Offb. 6,7 Als das Lamm das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten Lebewesens rufen: Komm!
Offb. 6,8 Da sah ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm saß, heiß «der Tod»; und die Unterwelt zog hinter ihm her. Und ihnen wurde die Macht gegeben über ein Viertel der Erde, Macht, zu töten durch Schwert, Hunger und Pest und durch die Tiere der Erde.

Doch wie soll diese Stelle gedeutet werden? Ein jeder wird auf die Frage: „Wer sind die Reiter der Apokalypse?“ antworten: “Hunger, Tod, Krieg, Pestilenz!“. –Doch nun versuchen sie einmal diese vier Personifizierungen den einzelnen Stellen zuzuordnen…

Bei Tod fällt es nicht schwer, da er ja Namentlich erwähnt wird [Offb. 6,8: Da sah ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm saß, heiß «der Tod»;]. Auch Krieg ist eindeutig zu identifizieren: [Offb. 6,4: Da erschien ein anderes Pferd; das war feuerrot. Und der, der auf ihm saß, wurde ermächtigt, der Erde den Frieden zu nehmen, damit die Menschen sich gegenseitig abschlachteten. Und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben.] Bei Hunger wird das jedoch schwerer. Die Waage wurde oft als „Gerechtigkeit“ gedeutet, was jedoch in dieser Hinsicht vermutlich ein Fehlschluss ist. Die Waage im Zusammenhang mit der Stimme die danach spricht ist eher als Zeichen von Inflation und daraus resultierender Hungersnot zu verstehen. Somit wäre auch Hunger identifiziert.

Am schwierigsten ist die ganze Sache bei Pestilenz. Da nur noch eine „Stelle“ übrig bleibt muss wohl Pestilenz der erste Reiter sein, aber wie kommt man von dieser Beschreibung auf Pestilenz?
„Da sah ich ein weißes Pferd; und der, der auf ihm saß, hatte einen Bogen. Ein Kranz wurde ihm gegeben und als Sieger zog er aus, um zu siegen.“ Auch beim genaueren darüber Nachdenken lässt sich kaum eine plausible Erklärung dafür finden, dass dieser Vers sich auf die Pest bezieht. Einzig ein Blick in die damalige Zeit gibt Aufschluss:
Damals gab es Krieg mit den Parthern. Die Parther waren ein altiranisches Volk, das für die Kunst des Bogenschießens bekannt war, daher der Bogen bei dem ersten Reiter. Die im Krieg siegreichen Generale ritten auf weißen Pferden, daher der Sieger auf dem weißen Ross. Doch was hat die Pest mit den Partherkriegen zu tun? Ganz einfach, zur Zeit der Partherkriege brach unter den Soldaten die Pest gnadenlos auf, und die Invaliden die nach Hause kamen brachte sie auch in die heimatlichen Gefilde.

Wenn man sich das Bild von Albrecht Dürer anschaut, so merkt man das Pest (ganz hinten) und Krieg (daneben) sich ähneln. So gibt Albrecht Dürer einen weiteren Hinweis auf die Parallele zu den Partherkriegen. Jedoch tragen Pest und Hunger dieselben Mützen, solche wie sie zu Dürers Zeiten die „Türken“ trugen. Zu Dürers Zeiten waren die Parther keine Bedrohung mehr, die Partherkriege lagen schon über 1000 Jahre zurück, dafür war der Fall von Konstantinopel recht präsent.

So bietet auch dieser Mythos eine "Sakrileg-ähnliche" Fülle an Geschichten. Dieser Artikel vermittelt nur einen Bruchteil dessen, was bei einer genauen Studie alles zum Vorschein kommt. Weitere Informationen findet man in alten Ausgaben von "Die Kunst dem Volk"(sehr gut dafür ist die 1.Ausgabe von 1909 welche Albrecht Dürer behandelt) oder die "Bilder des Todes" von Hans Hohlbein sind eine gute Quelle wenn man sich mit der Apokalypse auseinandersetzten will. Dieser Artikel soll einen Einstieg in den Mythos "Apokalypse/Jüngstes Gericht" geben, und dafür eignen sich Tod, Hunger, Krieg und Pestilenz als Anstatzpunkt wunderbar. Jeder der sich weiter damit auseinandersetzen will, wird kaum merken wie er sich Nacht um Nacht um die Ohren schlägt, und alte Bildbände und Schriften mit Begeisterung durchforstet. Kurz: Die Apokalypse als Thema ist ein wunderbar Interessant, auch oder gerade für Freizeitmythologen.


Dazu im Postpla.net :  Kein Thema angegeben
Geschrieben von Der Scharlatan am 25.01.07 12:12 (seit dem 19263 mal gelesen)
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Aktuelle Kommentare zu Die Reiter der Apokalypse

Kommentar Von sil (21.09.08 21:49):
der Scharlatan sollte sich nochmal genau einlesen bevor er so einen mist von sich gibt. es ist ja eigentlich kaum zu glauben, dass wenn man the 4 horseman googelt auf diesen extrem dilletantischen artikel verwiesen wird.
nur so als kleiner wink. der weiße reiter ist der Sieg (und der 5te reiter), er steht für die erlösung, es gibt viele deutungen wer er sein könnte, in den letzen 20 jahren haben sich theologen (weltweit) jedoch geeinigt dass es sich mit höchster wahrscheinlich keit um den sohn gottes handelt.
naja,...jetzt hab ich wieder mal meinen senf dazu gegeben.
aber nett geschrieben ist es alle mal.
:p

Kommentar Von Morris (26.01.07 23:24):
Ich denke nicht, dass man es ganz so einfach zeitgeschichtlich interpretieren kann. Dürer kann man ebensowenig bei der Deutung heranziehen, höchstens bei der Rezeptionsgeschichte. Und man könnte auch ein wenig vergleichend vorgehen: in der indischen Mythologie gibt es eine ähnliche Vorstellung, allerdings kommt da nur ein Reiter (Kalki) und zerstört alles. Naja, vielleicht ist es ja auch so, wie von dir geschrieben, am plausibelsten, dann aber nicht deutlich genug dargelegt. Aber trotzdem gut ;) .
Kommentar Von Der Scharlatan (25.01.07 20:53):
warum problematisch?
:D :) :o :p :( ;) [B] [I] [U] [D] [URL] [EMAIL] [-][+] Neuer Kommentar Kommentar abgeben :

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