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Die Legende vom RitualmordFinsteres Mittelalter: Kurzüberblick über den Ritualmordvorwurf an die Juden
Eine ganz bizarre Ausprägung des Antisemitismus war der Ritualmordvorwurf, der über Jahrhunderte hinweg den Juden gemacht wurde. Die Legende entstand im Hochmittelalter und ist seit 1144 belegt, in dem angeblich am Karfreitag der Knabe William aus Norwich von Juden gekreuzigt wurde. Die Geschichte wurde von einem Mönch Jahre nach dem Tod des Jungen konstruiert und auf diesen Tag gelegt. Als mögliches Motiv wurde den Juden unterstellt, sie würden auf diese Weise das Leiden Christi verhöhnen. Nach dem Vierten Laterankonzil zu Basel 1215, bei dem die Transsubstantiationslehre verkündet wurde, kam als weiteres Motiv hinzu, die Juden würden das Blut der Kinder, die den Christen als unschuldig galten, zur Herstellung der Mazzen gebrauchen, also für die ungesäuerten Brote zum Passahfest, das etwa zur gleichen Zeit wie das christliche Osterfest stattfindet. Man sagte, die Juden würden meist einen Knaben entführen, und ihm in der Synagoge aber auch anderswo die Kehle durchschneiden und das herausströmende Blut mit einem Eimer auffangen. Dabei würden unablässig besondere Gebete gesprochen. Seit besagtem Konzil nun stieg die Zahl der Ritualmordanklagen ständig an, besonders wenn zeitlich nahe zum Osterfest ein Kind auf (vermeintlich) mysteriöse Weise ums Leben gekommen war. Die Nähe zu einem jüdischen Haus sowie „Blutleere“ waren weitere sogenannte „Indizien“, die für viele damalige Christen einen Ritualmord der Juden wahrscheinlich machten. Dabei spielte es keine Rolle, dass Blut für das Judentum als unrein gilt und man versucht, die fleischlichen Speisen durch das Schächten möglichst blutrein zu halten. Dies haben auch die Päpste und viele andere hohe Theologen gewusst und nahmen auch politische Schritte gegen diese Ritualmordlegenden vor, doch der Volksaberglaube war stärker als jede Bulle und jeder Gesandter aus Rom. Einer der bekanntesten Ritualmordfälle ist der des Simon von Trient aus dem Jahre 1475. In diesem Jahre wurde von mehreren ortsansässigen Juden am Ostersonntag der Leichenfund eines seit drei Tagen vermissten Jungen gemeldet. Bedingt durch die in der Osterzeit verstärkt antisemitischen Predigten war der Judenhass der Bevölkerung größer als sonst im Jahr, was dazu führte, dass die Geschehnisse im Mordfall von Anfang an eine katastrophale Entwicklung nahmen. Die Häuser der Juden wurden sofort durchsucht und die angeklagten Juden selbst wurden solange gefoltert, bis man die verlangten Geständnisse hatte. Schließlich wurden sie in einem sehr umfangreich dokumentierten Prozess zum Tode verurteilt. Doch die Ritualmordlegende ist nicht isoliert im Mittelalter aufgetreten. Im 19. Jahrhundert ist sie nach Jahrhunderten relativer Ruhe und fortgeschrittener Emanzipation der Juden wieder verstärkt in Deutschland aufgetreten. Besonders betroffen waren die Gegenden am Niederrhein sowie die deutschen Ostgebiete. Doch anders als im Mittelalter wurden die angeklagten Juden in einem rechtsstaatlichen Verfahren in der Regel freigesprochen, was aber nichts an den heftigen Ausschreitungen der jüdischen Bevölkerung gegenüber sowie einem allgemeinen Anstieg des Antisemitismus änderte. Erst nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu keinen nennenswerten Ritualmordanklagen mehr, denn mit der fortschreitenden Säkularisierung der Öffentlichkeit sowie der Verbreitung der Rassentheorie hatten sich das Bild der Juden und damit auch der Antisemitismus geändert. Dass diese Veränderung keinen positiven Effekt hatte, ist hinlänglich bekannt. Quelle : Diverse Fachliteratur ;) Dazu im Postpla.net : Kein Thema angegeben Geschrieben von Morris am 18.11.05 20:08 (seit dem 2251 mal gelesen) Ähnliche Artikel zu Die Legende vom RitualmordAktuelle Kommentare zu Die Legende vom Ritualmord |
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