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"Die Drei K" der modernen Frau

Überlegungen zum Thema, was bedeutet heute, eine Frau zu sein



Seit Jahren kämpfen Frauen um ihre Rechte. Und nicht erfolgslos. Drei K wie Kinder, Kirche und Küche sind nicht mehr Berufung und Lebensstil einer Frau. Die sind aber nicht ganz verschwunden. Sie wurden lediglich für andere drei K umgetauscht. Die drei K einer modernen Frau lauten: Klamotten, Kohle und Karriere. Welch eine Bereicherung! Die sentimentalen und altmodische Gefühle wie Liebe, Zuneigung, Zärtlichkeit werden heutzutage nur belächelt. Was solls? Moderne Frau brennt bei der Arbeit und es ist überflussig, was sie da macht - hauptsache den ganzen Tag, mit Leidenschaft und Selbstaufopferung. Dann heißt es Karierre. Leidenschaft und Selbstaufopferung einem Mann oder (um Gottes willen!!!) Kindern zu schenken ist heute nicht im Trend. Tatsächlich, eine Frau ist keine Sklavin im Haushalt, die hat ihre eigene Persönlichkeit und kann sich nicht nur in der Küche entfalten. Hört sich sehr wohltuend für Frauen-Ego an. Was für ein Jammer, dass diese kostbare Fähigkeiten eine Frau nur für ein einziges Ziel einsetzt. Was ist das für ein hohes Ziel? Möglichst viel Kohle zu verdienen , um möglichst mehr Klamotten zu kaufen. Das ist alles. Das ist Ziel unseres Lebens (wenn es eins überhaupt gibt). Das ist viel anspruchsvoller, als eigene Interessen für einen anderen Menschen aufgeben zu können. Liebe, Kompromisse, Zusammenleben - das ist fast zu peinlich für eine Frau, die etwas besseres ist, als ein hübsches Ding in dem Haushalt. Ganz geschwiegen von Kindern. Wer will schon Kinder haben? Kinder sind Stress, Probleme, Kinderkrankheiten und was aller wichtigsten ist - Kinder verhindern eine wunderschöne Entfaltung aller kostbaren Fähigkeiten einer Frau. Mit anderen Wörtern: Wer so dumm ist, sich für Kinder zu entscheiden, verzichtet ganz freiwillig auf heilige drei K der modernen Frau.

Ja-ja, Familienpolitik hat keiner abgeschafft und alle (wer eigentlich?) bekommen irgendwann Kinder und schaffen das mit der Karriere und anderen schönen Dingen unter einen Hut zu kriegen. Bloß nicht dramatisieren!

Was passiert eigentlich, wenn eine unter 30 sich für ein Kind entscheidet? Beneidet wird sie auf jedem Fall nicht. Sie wird erstmal als dumm oder geistig krank oder am besten im Kopf behindert betrachtet. Ich habe persönlich eine Mutter zu ihrer Tochter sagen hören: "Waaaaaaaaaaaas? Zuerst Ausbildung, dann Karierre, dann ein Mann und erst dann Kinder!!!" (dass bis zu dem Zeitpunkt eine Frau aus dem fruchtbaren Alter höchstwahrscheinlich rauskommt, spielt erstmal keine Rolle). Ja-ja, esrt Karierre, Kohle und Klamotten für sich, dann Kohle und Klamotten für das Kind (wenn es überhaupt dazu kommt- das Leben ist so kurz). Kohle und Klamotten sind ein Äquivalent für Liebe geworden.
Der einzige, der sich vielleicht über eine Schwangerschaft unter 30 freuen wird, ist ein Frauenarzt, der sagt "Das ist das perfekte Alter für Kinderkriegen. Schön, dass Sie das auch so sehen, und schade, dass es heute immer seltener wird". Und so ist eine verrückte doch schwanger geworden! Wenn sie ein Pech hat zu studieren, kriegt sie noch während der Schwangeschaft viele bemitleidende und abwertende Blicke von Komilitonen und einige nette Sprüche von Professoren, so etwa wie "Sie sind doch selber schuld, dass sie sich für ein Kind während des Studiums entschieden haben. Keiner hat Sie dazu gezwungen". Und dieser doofer und asozialer Spruch aüßert eigentlich die Einstellung unserer Geselschaft: Kinder sind Schuld! Kein Glück, kein Lebenssinn, keine Gegebenheit oder Normalität. Schuld. Mit einem Kind hat eine Frau sich schuldig gemacht. Und das ist ihre Schuld, wenn sie ihren Studium nicht mehr schafft. Und dass ist ihre Schuld, wenn sie ganz schlechte Chancen auf eine Arbeitstelle hat. Wie dumm muss man heutzutage sein, um eine junge Mutter einzustellen! Erstens kann sie höchstwahrscheinlich nur halbstags arbeiten. Zweitens wird ihr Kind ständig krank und dementsprechend sie auch krankgeschrieben. Drittens wird sie andere Prioritäten haben, als ihr eigenes Leben der Arbeit zu widmen und unterwerfen. Unter solchen Bedingungen kann man nach einem Studium mit dem Kind mit einer Stelle als Kassiererin oder Kelnerin rechnen, und das noch im besten Fall. Und selbst bei so einer anspruchsvollen Stelle wird man ständig in Stress gesetzt: Dich braucht hier keiner-es gibt genug andere, die junger und - ganz wichtig!- kinderlos sind.

Wer braucht schon heutzutage eigene Kinder? Wer sich nicht asozial dabei fühlen will, hat eine zauberhafte Lösung: Wir spenden für Afrika! Wir helfen armen afrikanischen Kindern! Was für eine traumhafte Einstellung, keine eigene Kinder zu erzeugen, dafür aber afrikanischen helfen zu können.

Wie viel Power, Ausdauer, Selbstbewusstsein und Stressresistenz muss man haben, um sich durch so ein Leben durch zu boxen? Und wenn eine es doch nicht schafft, wenn sie durchdreht, auspowert und sich komplett ausschöpft, dann ist vielleicht ein psychiatrischer Dienst der einzige Ort, wo solch eine Frau ernst genommen wird, wo sie als Persönlichkeit betrachtet wird, wo sie wie ein Mensch behandelt wird.

Dafür haben die Frauen so viele Jahre um ihre Rechte gekämpft?

Ich dachte, Freiheit besteht darin, selber entscheiden zu dürfen, was man im Leben macht. Früher war die Frau gezwungen, den Haushalt und Kinder zu führen. Jetzt ist die Frau gezwungen zur Arbeit zu gehen (und dazu noch Haushalt und Kinder, wenn sie doof genug ist, welche zu kriegen). Schlüsselwort ist dabei "gezwungen". Die drei alten K sind gegen drei neuen K umgetauscht - wofür? Sind wir jetzt glücklicher? Arbeitstätige Frauen haben Schuldgefühle, weil sie meinen ihre Familien zu vernachlässigen. Hausfrauen haben Schuldgefühle, weil sie meinen arbeiten gehen zu müssen. Daraus besteht nichts, außer einem großen Stress für alle. Und wer profitiert davon? Produzenten von überteuerten Klamotten und Kosmetikartikel (weil eine berufstätige Frau braucht eine Bestätigung, dass sie nicht umsonst so viel Mühe in Berufsalltag bringt), Produzenten von zahlreichen Computerspiele & Co. (weil vernachlässigte Kinder brauchen ihre "Kuscheltiere" für die Zeit, wenn Mama nicht da ist) und Produzenten von überteurten Autos und High Tech (weil vernachlässigte Männer auch ihre "Kuscheltiere", eine Bestätigung für gelungenes Berufsleben und Stressmedizin brauchen).

Nur weiter so - das Leben ist wirklich schön!


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Geschrieben von nora schmidt am 15.03.11 13:01 (seit dem 6099 mal gelesen)
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