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David Odonkor

Der "Speedy Gonzales" Deutschlands



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Die Tage in Genf im Kreise der deutschen Nationalmannschaft waren für David Odonkor sehr aufregend. Mit großen Augen lief er durch die für ihn unbekannte Fußballwelt und staunte. Besonders im Umgang mit den Großen zeigte sich, dass Odonkor noch kein alter Hase ist. Bei Oliver Kahn zum Beispiel, dem Championsleague-Sieger und mehrfachen Deutschen Meister sowie DFB-Pokal Sieger, habe der 22-Jährige Odonkor anfangs nicht gewusst, ob er ihn duzen oder siezen solle. Mittlerweile sind die beiden beim Du.

Die Berufung Odonkors in den WM-Kader war die Überraschendste der vielen Überraschungen, die Bundestrainer Jürgen Klinsmann seit seinem Amtsantritt im August 2004 aus dem Hut zauberte. Ohne eine einzige Länderspielminute reiste der 1, 72 Meter große Vollgasfussballer im Märchensommer 2006 zum Trainingslager nach Sardinien. Zu Beginn der Saison war er nicht einmal bei seinem damaligen Verein, dem BVB, Stammspieler gewesen.

Nicht ernsthaft hatte Odonkor an eine Nominierung für Jürgen Klinsmanns WM-Kader geglaubt. Als Sonntags, einen Tag vor der Nominierung, folgerichtig auch kein Anruf kam, sagte er scherzhaft zu seiner Mutter: „Schade, morgen werden die Namen bekanntgegeben.“ Zehn Minuten später klingelte es aber doch. Am anderen Ende war aber nicht Klinsmann, sondern Dieter Eilts, der Coach der U21. So dachte sich Odonkor wahrscheinlich auch, dieser würde ihn jetzt für die Junioren-EM in Portugal nominieren. Doch Eilts meinte zunächst nur: „Du fährst nicht mit.“ Dann eine lange Pause, ehe der Ostfriese nachschob: „Klinsmann will dich.“ Und plötzlich war Odonkor mal wieder von Null auf Hundert gestartet. Der überzeugendste Anlass für seine Berufung war die enorme Schnelligkeit. Auch Miroslav Klose, ein potenzieller Flankenverwerter, findet, dass diese Schnelligkeit eine große Waffe sein kann. Gemunkelt wird, Odonkor laufe die 100 Meter in 10, 7 Sekunden, aber gemessen wurde das nie. „Dass lass’ ich auch lieber“, grinst er. „Nachher kommt dann noch 11, 2 raus.“ Jedenfalls habe er noch keinen Gegenspieler gehabt, der ihm folgen konnte. Das langt als Qualitätsnachweis.

Für andere Bereiche sind die Statistiken genauer. In 33 Bundesligaspielen schlug Odonkor in der vergangenen Saison 229 Flanken, so viele wie kein anderer. Allerdings kommen längst nicht alle Hereingaben präzise in den Strafraum. Zudem erzielte er nur ein Tor. „Ich weiß, es hätten sechs oder sieben sein müssen“, sagt der Sohn eines Ghanaers und einer Deutschen. „Aber vor dem Tor bin ich noch zu nervös.“ In Dortmund konnte man lesen, David Odonkor könne nichts anderes als geradeaus laufen. Das ärgerte ihn sehr, denn er wisse genau, was schon jetzt seine Stärken sind. Dennoch habe er sich im Nationalteam natürlich ganz hinten anstellen müssen. Demnach bescheiden gab er sich auch. „Ich bin hier, um zu trainieren. Falls sich dann eine Chance ergibt, freue ich mich.“

Der Speedy Gonzales Deutschlands ist sehr zurückhaltend und bescheiden. Sein Berater Korn Schramm, übrigens auch Berater eines gewissen Lukas Podolski, hält ihn für „sehr liebenswert“. Vielleicht ist aber auch das gerade eine seiner Schwächen. Als er zu Saisonbeginn oft auf der Bank saß, musste Schramm ihn antreiben. „Beiß dich durch,“ forderte er seinen Schützling auf. Doch dann verletzten sich im BVB-Sturm Jan Koller und Lars Ricken und fielen längerfristig aus, Ewerthon wurde bereits vor Saisonbeginn nach Spanien verkauft - und plötzlich war Odonkor in der ersten Elf und zeigte oft gute Leistungen.

David Odonkor ist in der Nähe von Dortmund aufgewachsen, spielte seit 1998 bei der Borussia. Vor allem die Nähe zu seiner Heimatstadt Bünde, gefiel ihm sehr. Denn dort wohnt seine Mutter, die er so oft es geht - auch noch heute, wo er in Spanien wohnt - besucht. Zu ihr pflegt er ein sehr inniges Verhältnis, der Vater hingegen verließ die Familie früh. Dennoch ist auf Odonkors Unterarm ein Spruch tätowiert, der seinen Glauben an Gott und an seine Familie.hervorhebt Dass er betet, ist für Odonkor normal. „Meine Mutter hat mir das beigebracht.“ Sie, die sonst selten Spiele vor Ort besucht, solte wenigstens mal WM-Atmosphäre schnuppern. Für das Spiel gegen Polen im Signal Iduna Park seines Heimatklubs Borussia Dortmund hatte der berühmte Sohn Karten besorgt. Was dieses Spiel nicht nur für den Frauenschwarm, sondern für das ganze deutsche Team bedeutete, weiß man heute nur zu gut.

Mittlerweile spielt der Nationalspieler in Spanien und ist noch verletzt. Nach seiner Verletzung möchte er aber wieder voll angreifen und beweisen, dass er auch im Ausland brillieren kann. Daran glaubt er fest.

Der Glaube half Odonkor auch vor neun Jahren, als er sich bei einem Fahrradunfall den fünften und sechsten Halswirbel brach. Damals konnte er lange Zeit keinen Sport treiben und war am Ende froh, überhaupt ohne Folgeschäden wieder fit zu werden. Die Ärzte sprachen von Glück. Wäre nämlich auch der siebte Wirbel gebrochen, dann stünde David Odonkor nicht auf dem Rasen, sondern säße vielleicht im Rollstuhl.


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Geschrieben von Dareg am 07.03.07 08:08 (seit dem 1711 mal gelesen)
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