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Das Doppelstundenmodell

Das Doppelstundenmodell- Mehr Fluch als Segen



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An mehreren Schulen wurde das sogenannte Doppelstundenmodell nun als Testphase eingeführt.
Doppelstundenmodell bedeutet, dass die sechs 45-Minuten-Schulstunden abgeschafft werden, und durch drei Blöcke mit je 90 Minuten ersetzt werden. Doch ist diese Änderung sinnvoll?


Die Gründe, die für die Einführung des Doppelstundenmodells angeführt wurden, wirken auf den ersten Blick sinnvoll. Mehr Zeit für Versuche in naturwissenschaftlichen Fächern soll ein großer Vorteil sein. Die Schüler sollen sich in Sprach-Fächern mehr auf die Sprache einlassen können, heißt es.
Die Wirklichkeit des Schulalltags sieht jedoch anders aus. Für Versuche fehlen die Räumlichkeiten. In Fächern wir Chemie hatte man als Schüler bis jetzt eine der beiden Stunden in einem Versuchsraum, die andere nicht. Da jetzt aus den beiden Stunden eine wurde, hat man keine einzige Stunde mehr in einem Versuchsraum, und 90 Minuten Frontalunterricht sorgt für gewaltigen Konzentrationsverlust, meist schon nach 30 Minuten. Auch den Sprach-Fächern schadet dieses System. Nun hat man eine Sprache nur noch an zwei Tagen der Woche, anstatt –wie bisher- an drei, teilweise vier. Ausnahmslos jede Untersuchung beweist, dass häufige, kürzere Lernphasen sinnvoller sind als lange Seltene. Die bisherige Regelung war durchaus einleuchtend. Man hatte in der Woche 2 Einzelstunden, und eine Doppelstunde. So hatte man ein Fach über die Woche verteilt, die Lehrer hatten aber trotzdem Zeit für Projekte und lange Klausuren.
Ein Lehrer kann auch schwer 90 Minuten lang die Aufmerksamkeit der Schüler beanspruchen, wenn er seinen Unterricht nicht gut durchstrukturiert. Mit einem ausgewogenem Wechsel aus Frontalunterricht, stillen Arbeitsphasen und Austausch mit dem Sitznachbarn bleibt eine Klasse 90 Minuten lang konzentriert. Jedoch strukturiert kaum ein Lehrer seinen Unterricht so, vielmehr werden einfach zwei der 45-Minuten-Schulstunden aneinandergehängt. Die Lehrer müssten ihren Unterricht für das Doppelstundenmodell umstrukturieren, doch das tut –warum auch immer- kaum ein Lehrer. Als Vorteil des Doppelstundenmodells muss man jedoch hervorheben, dass das Gewicht der Schulranzen sich deutlich verringert hat. Gerade in den letzten Jahren klagten Schüler immer mehr über Rückenschmerzen, dem setzt das Doppelstundenmodell wirklich etwas entgegen.
Trozdem: Wenn 45 Minuten eines unbeliebten Faches bisher ein Alptraum waren, dann wird dies durch die Doppelstunde für Schüler die Hölle auf Erden. Wenn man einen Schüler fragt was die Vorteile am Doppelstundenmodell sind, bekommt man meist ein sarkastisches: „Bei Entfall hat man immer gleich zwei Stunden weniger!“
In der Tat, für Schüler zwar ein wichtiger Vorteil, pädagogisch gesehen aber absolut Undurchdacht. Man stelle sich vor: Ein Lehrer eines Nebenfaches ist an einem Tag auf einer Fortbildung. Am selben Tag in der Woche darauf hat seine Klasse einen Wandertag. Und schon sieht er die Schüler erst in drei Wochen wieder. Und bis dahin, legt der Schüler das Fach mit einem glücklichen „Hab‘ ich eh erst in drei Wochen wieder“ mental zu den Akten, und muss sich nach den drei Wochen erst wieder einarbeiten. Ein weiteres Manko liegt an den Klausuren. In Fächern wie Chemie –die man durch das Modell in der Mittelstufe nur einmal wöchentlich hat- schreibt man Arbeiten nur über 45 Minuten. Nun ist der Lehrer in der Zwickmühle. Durch Klausuren lernt der Schüler ja nichts, sie dienen dazu seinen Wissenstand zu prüfen. Nun stellt man mal eine kleine Rechnung am Beispiel von Chemie auf: Das Schuljahr 06/07 hat 38 Schulwochen. Das wäre, wenn man Feiertage bedenkt grob 35 Mal Chemie. Mindestens 5 Stunden fallen aber aus. Dadurch hat man nur noch 30 Mal im Jahr Chemie. Wenn jetzt der Lehrer auch noch vier Mal für Klausuren „verplempert“, sind dass nur noch 26 Mal Chemie. In dieser Zeit bekommt der Lehrer aber kaum seinen Lehrplan durch. Also muss er die Klausur über den ersten Teil der Stunde schreiben, im zweiten Teil weiter normal Unterrichten. Ob ihm da noch irgendein Schüler zuhört, bzw. zuhören kann, bezweifle ich stark.

Seltsamerweise dringt fast ausschließlich Lob an dem Doppelstundenmodell durch die Presse nach außen. Wie stark Schüler darunter leiden liest man nirgends.


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Geschrieben von Der Scharlatan am 03.02.07 11:11 (seit dem 2787 mal gelesen)
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Aktuelle Kommentare zu Das Doppelstundenmodell

Kommentar Von soul. (06.02.07 22:48):
irgendwie wird hier so getan, als haetten frueher alle 6 einzelstunden pro tag gehabt und nun waere man testweise auf 3 doppelstunden umgestiegen... wuerde sagen, weder das eine noch das andere ist ganz richtig, oder hat hier jemand durchgehend nen perfekten 5x6 wochenplan gehabt?
Kommentar Von Felicitas (04.02.07 22:20):
"Seltsamerweise dringt fast ausschließlich Lob an dem Doppelstundenmodell durch die Presse nach außen. Wie stark Schüler darunter leiden liest man nirgends."

vermutlich weil es doch nicht so viele sind und wenn dann nur "ganz bestimmte" die darunter leiden. wie man in dem thread vom pp durchaus jetzt schon sehen kann...
Kommentar Von Lexa (04.02.07 18:19):
Meine alte Schule hat jetzt Doppelstunden. Die tasche ist zwar leichter aber den meisten gefällt es nicht. Deinen Text hast du gut formuliert!
:D :) :o :p :( ;) [B] [I] [U] [D] [URL] [EMAIL] [-][+] Neuer Kommentar Kommentar abgeben :

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