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Das Besucherzähler-Geschäft

Wie Besucherzähler im Internet eingesetzt werden, um Geld zu machen



Angefangen hat es wohl mit der Seite www.oranjes-bye-bye.de. Dort hieß es, eine holländische Seite habe einen Rekord aufgestellt, indem innerhalb von drei Wochen 25 Millionen Holländer die Seite geladen haben. Oranjes-bye-bye wolle nun den Holländern zeigen, dass die Deutschen besser sind, und forderte deshalb alle Besucher dazu auf, den Link zu ihrer Seite zu verbreiten.

Wenn man sich die Seite genauer ansah, bemerkte man weiter unten einen Link, der einen gratis iPod versprach. Wenn man dem Link folgte, kam man zu einem Anmeldeformular, bei dem ganz unten in kleiner Schrift vermerkt war, dass die Anmeldung etwa 7 Euro im Monat kostete, zwölf Monate im Voraus zu bezahlen. Und der Gewinn eines iPods war auch nicht garantiert. Wer weiß, wieviel oranjes-bye-bye für diesen Werbelink bezahlt bekam, jedenfalls sorgte der Besucherzähler für einen regen Traffic auf der Seite.

Bald kam jedoch die Wahrheit über den Rekordversuch ans Licht: Den holländischen Rekord hat es nie gegeben, oranjes-bye-bye war nur eine Geldquelle für deren Betreiber, einen Ferdinand G. aus Bremen. Der aufkommende WM-Wahn und der daraus resultierende deutsche Nationalstolz wurden schamlos ausgenutzt. Natürlich ist es vollkommen legal, auf diese Weise Geld zu verdienen, aber moralisch äußerst bedenklich.

Inzwischen ist oranjes-bye-bye umgestylt worden: Es existiert nun ein kleines Online-Game, in dem man angeblich die Holländer schlagen müsse, der Bezug zur WM ist nun offensichtlich. Werbung gibts auch wieder reichlich: Ein Popup von layer-ads.de sowie ein Link zu einem kostenpflichtigen Usenet-Anbieter sichern dem Betreiber auch in Zukunft hohes Einkommen durch Werbeeinnahmen.

Oranjes-bye-bye ist kein Einzelfall. Die vor kurzem bekannt gewordene Seite www.svenswmwette.com basierte auf einem ähnlichen Prinzip: Der Betreiber Sven versprach, dass eine Freundin beim WM-Finale nackt über das Feld laufen wird, sollte der Besucherzähler die 5-Millionen-Grenze erreichen. Als "Vorgeschmack" lieferte er sogar zwei Bilder dieser Freundin im angezogenen Zustand. Als jedoch drei Millionen Besucher verzeichnet worden waren, bei denen Sven ein oben-ohne-Bild versprochen hatte, hörte die Seite ganz schnell auf zu existieren und wurde zu einer Weiterleitung zu Firstload.

Die Parallelen zu oranjes-bye-bye sind offensichtlich: Auch svenswmwette hatte ein Layer-Ads-Script, durch das man pro 1000 Aufrufe zwischen 3 und 7,50 Euro verdient - bei 3 Millionen Aufrufen sind das etwa 10000 Euro. Der Aufruf wird nur gezählt, wenn das Popup mindestens 5 Sekunden geöffnet bleibt, deshalb kann nicht mit allen Aufrufen gerechnet werden, aber durch den hohen Traffic wird Layer-Ads wohl mehr als 3 Euro pro 1000 Aufrufe gezahlt haben. Wieviel Sven von dem Usenet-Anbieter Firstload für die Weiterleitung bekommen hat, ist unklar. Aber wenig wird das bei einer so gut besuchten Seite nicht gewesen sein.

Weitere Seiten, die diese Idee, mit der man so einfach an Geld kommt, aufgreifen, sind www.deutsche.de.tc, wm-tickets-kostenlos.de.vu oder www.mega-wm06-wette.de.vu. Überall findet sich Werbung, und man kann sicher sein, dass es letztendlich weder WM-Tickets noch Nacktfotos geben wird.

Das Werbegeschäft mit den Besucherzählern hat anscheinend seinen Höhepunkt erreicht, doch wenn die Wahrheit sich erst im ganzen Internet verbreitet hat, werden diese Seiten wohl ebenso schnell verschwinden, wie sie erschienen sind.


Dazu im Postpla.net :  Dürfen Holländer einfach so gewinnen?
Geschrieben von Ford Prefect am 17.06.06 00:12 (seit dem 1927 mal gelesen)
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