In „Dark Hours“ kommen Fans des blutigen Gemetzelt und perversen Spiele gleichermaßen auf ihre Kosten wie Genießer von überraschenden Wendungen. Der bisher für TV-Serien tätige Regisseur Paul Fox paart in seinem Movie-Debüt die perfiden Spielchen aus „Saw“ mit dem plötzlichen Storywandel eines „High Tension“ (Regie Alexandre Aja) - und das hinsichtlich letzterem Titel weitaus besser. Im Gegensatz zu den zwei „Hau drauf“-Filmen beginnt „Dark Hours“ wesentlich magenverträglicher und überhäuft einen nicht in der Aja-Verfahrensweise mit zu vielen Ereignissen, schlag auf schlag, die nach dem überraschenden Ende nur für anstrengendes Nachdenken sorgen als für den plötzlichen und nötigen Aha-Effekt. Von Anfang an führt Fox geschickt den Zuschauer auf eine falsche Fährte, gar in ein anderes Genre. Geisterhafte Atmosphäre flutet durch das heimische Wohnzimmer, wenn vereinzelt Slow-Motion-Sequenzen einsetzen, in denen Leitfigur Samantha faktisch gesehen ein Blackout hat, selbst aber einen Zustand annimmt der es ihr ermöglicht bestimmte Geräusche war zu nehmen. Unterstrichen von seltsam auftauchenden Erscheinungen findet sich „Dark Hours“ dann vorerst in der Akte-X-Ecke wieder. Der Gedanke, dass sich das Drehbuch im Endeffekt um ein Abschlachten aus Wut und Hass dreht, kommt nicht im Entferntesten in den Sinn.
Doch kaum an das mystische Ambiente gewöhnt fokussiert der Film eine neue Richtung. Mit Harlan (Aidan Devine, „Cold Creek Manor“) und seinem „Sprössling“ Adrian (Dov Tiefenbach, „Jason X“) fließen erstmalig Elemente aus „Saw“ mit ein und „Dark Hours“ zeigt mit jeder verstrichenen Minute mehr seine wahres, krankes Gesicht. Hier für sollte bekannt sein, dass Harlan ein waschechter Psychopath ist und dementsprechend es genießt seine Opfer absurde Spielchen austragen zu lassen. So verwandelt er Regeln gewöhnlicher Therapiemaßnahmen in menschfeindliche Richtlinien. Da wird aus dem Langeweile-Killer „Wahrheit“ oder „Pflicht“ kurzerhand ein mörderischer Zeitvertreib in dem der Teilnehmer bei Pflicht dem Leben unfreiwillig abdankt oder mit Wahrheit dunkle Geheimnisse ausplaudern muss. Welche Option sich großer Beliebtheit erfreut, benötigt wohl keiner extra Erwähnung. So entstehen neue interessante Konflikte und Spannungen unter den Figuren und das ohne viel Blut vergießen, vorerst zumindest. Gerade dieses Spiel verleiht „Dark Hours“ nach dem üblichen Geißelnahme-Geplänkel plus etwas schockierender Kaltblütigkeit seitens Samantha – Hinweis auf ihr unkontrollierbares Gemüt - noch mal eine neue fesselnde Note und lässt konsequent auf das Ende hin arbeiten.
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Im wesentlich wird die Geschichte von Kate Greenhouse getragen. Mit ihrer Charaktere Samantha Goodman, im Film beruflich Psychologin, sorgt sie für Hollywood-Flair in der rund 300.000 Euro teuren Produktion. Durch ihr engelhaftes Aussehen schafft sie eine Kontroverse zu ihrem Verhalten. Ihre stahlblauen Augen verzaubern von Anfang an. Symbolisch betrachtet spiegeln sie ihr eiskaltes Handeln wider. Durch ihre Erkrankung an einem Hirntumor, hat sie nämlich einen nicht beneidenswerten menschlichen Instinkt an sich entdeckt – der reine egoistische Überlebenswille. Der treibt sie dazu, ein nicht zugelassenes Medikament an ihren Patienten zu testen und ihr Leben über das von anderen zu stellen. Die Rechnung dafür folgt in „Dark Hours“ auf dem Fuße. Auch wenn Greenhouse filmisch zuerst die Zügel in den Händen hält, wird sie später von Aidan Devine zeitweise abgelöst. Er spielt den schon erwähnten Psycho und Goodmans Ex-Patient/Opfer Harlan, der für die blutige Misere indirekt verantwortlich ist. Indirekt weil…nein das wäre zuviel verraten. Harlens zynische Verhalten, gepaart mit der Optik von Devines ist wahrlich passend und verstärkt seine abnormalen Weise anderen eine Lehre für ihr Verhalten zu erteilen. Devines liebe Teddyoptik sorgt hierbei für genauso viel Gegensatz wie bei Kate Greenhouse.
4/5, denn Rache ist Blutwurst!