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Bericht: Genesis Live in Leipzig

Konzertbericht : Genesis Live in Leipzig am 04.07.07



!Bilder gesucht!: Leider hatte ich keine vernünftige Kamera im Gepäck um halbwegs brauchbare Bilder zu machen. Wer auf dem Konzert war und mehr Erfolg hatte und mir die Bilder gerne für den Artikel zur Verfügung stellen möchte einfach per Mail (info[at]lupuz.de) kontaktieren. Bitte mit angeben ob Sie namentlich genannt werden möchten!


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Ein bisschen trottelig war ich ja schon. Da erfahre ich recht früh davon das Genesis wieder auf Tour geht, schreibe sogar einen kleinen Artikel hier auf Lupuz darüber mit den Worten das ich mich darauf freue - und dann drücke ich mich vor den hohen Kartenpreisen, überlege hin und her... bis, wie sollte es anders sein, das Konzert nach wenigen Wochen restlos ausverkauft war.

Als alter Genesis-Fan (ja, ich war als Teenager wo andere längst coolere Sachen gehört haben irgendwie hängen geblieben *g*) wollte ich es mir trotzdem nicht nehmen lassen mich wenigstens vors Stadion zu setzen und von draußen ein wenig zu lauschen... doch es sollte zum Glück anders kommen.

bei der Haltestelle zum Stadion ausgestiegen um dort auf Frauchen zu warten tigerten noch ein paar Gestalten herum um, angeblich übrig gebliebene Karten loszuwerden. Eine Karte, Haupttribüne, 5te Reihe, normalerweise Kostenfaktor von knapp 100€ wechselte für 60€ den Besitzer, nämlich zu mir. Kurzer Anruf an Freundin "ich geh rein!" und ich machte mich los weiter Richtung Stadion, das beim
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vorbeifahren wie ein gelandetes Ufo im Wald aussieht und dass ich bisher nur aus der Entfernung kannte. Überhaupt war ich noch nie in einem Stadion, und der Anblick beim Passieren der Sicherheitsschleusen (und abgeben der 4 Flaschen Bier, die ich mir eigentlich zum Trostschluck vor dem Stadion für das verpasste Konzert eingepackt habe *g*) tat sich mir ein voluminöser Blick von oben herab nach unten in ein voll besetztes Stadion, das einem das Herz doch merklich schneller schlug und sich mit einem flauen Magengefühl paarte: ICH bin WIRKLICH drin!

Nach leichten Orientierungsschwierigkeiten an meinem Sitzplatz, rechts auf der Tribüne recht nah an der Bühne angekommen, machte ich dann auch Bekanntschaft mit Anro: ein netter Kerl (schönen Gruß und ein indirektes Danke noch mal an dieser Stelle), dem meine Karte ursprünglich gehörte. Er hatte sie für 30€ vorm Stadion verkauft, ein gutes Geschäft für die Kartenmafia. Aber Geld spielt keine Rolle, man freut sich einfach gemeinsam mit zehntausend anderen Fans auf die vielleicht letzte Gelegenheit die Band doch noch mal Live erleben zu dürfen. Und ich saß keine 5 Minuten, dann ging es auch schon los...

eine Vorband? die braucht eine Größe wie Genesis nicht. Um Viertel nach acht nehmen Keyboarder Tony Banks, Mike Rutherford und Daryl Stuermer, die sich an Gitarre und Bass abwechseln, sowie Schlagzeuger Chester Thompson ihre Arbeitsplätze ein und begannen, passend zur "Turn it on Again"-Tour auch mit dem gleichnamigen Songtitel. Collins las von seinem Zettel ab "alles klaaaa?" und machte ein paar Fotos vom Publikum, ebenso viele Kameras blitzten zurück.

Danach wurden die eher popigen, neuzeitlicheren (wenn man das nach 15 Jahren noch so nennen kann :) ) Titel "No Son of Mine" und "Land of Confusion" gepsielt. Dann wurde es spannend. "Sind hier äldere Fans?", fragt Collins. Und als etliche der Zuschauer laut bejahen, findet Collins: "Das ist gut, denn now we have the alde, alde, alde Stück". Ein Medley aus "In the Cage", zu den instrumentalen Parts aus "Behind The Lines" und "Duke's End" sitzt Phil Collins selbst hinter seinem Schlagzeug - so wie er im Laufe des Konzertes ständig jede Möglichkeit nutzen wird, dahinter zu verschwinden. Offenbar hätte er den Gesang dieses Mal wirklich gern Peter Gabriel überlassen. Es folgte minutenlanges, progressiv psychodelisches Geschrammel, das wie angekündigt besonders die Fans der älteren Stücke beeindruckte.

Nach dieser Anstrengung eine Verschnaufpause. Collins holt sich einen Stuhl und singt "Hold on my heart", Zeit für mich, mich zurückzulehnen und zu warten, denn das Lied mag ich mal gar nicht. Zum Einschlafen kam ich aber nicht, Collins nahm sich seinen großen Zettel mit deutschen Wortlauten und kündigte "du you have Geisters? in da Geisterhaus. they make buhuuuuuuu" das nächste Stück an: Zusammenhängend wurde "Home by the sea/second Home by the sea" gespielt, eine Rock Hymne wie aus dem Bilderbuch. Geiler Sound, so wie Mike seine Gitarre quält spielt sonst niemand mehr.

Nach diesem "Ohrgasmus" schon wieder was langweiligeres für die Damen: "Follow you, follow me".

Das war aber nur die Ruhe vor dem Sturm, jetzt hymnet es "Firth of Fifth", ein Moment wo einem vor Ehrfurcht die Knie weich werden. Tony Banks, ich liebe dich!

Weil es gerade so schön nostalgisch ist gesellt sich "I know what i like..." gleich im Anschluss dazu, über die riesige Mediawand werden synchron alte Bilder der Band eingeblendet. Was eine Haarpracht :)

Bei "Mama" setzte die Dämmerung ein, bei der bekannten "har har, haar *grunz*"-Stelle wurde Collins verzogene Fratze so unheimlich angestrahlt, das es einen gruseln konnte. Jünger ist er wirklich nicht geworden.

Und jetzt folgt "Ripples" mit seinem unvergleichlich schönen Mittelpart, darauf gefolgt von "Domino". Die alten Titel/Fans kamen wirklich auf ihre Kosten.

bei "Throwing it all away" diente die Videoleinwand dazu die Besucher einzublenden, die teils verschreckt, teils freudig winkend und mitsingend davon mitbekamen.

Ein Drum Duet ist man bei Genesis gewohnt, Phil und Chester klopften erst auf Stühlen, arbeiteten sich dann übers Mirko und allerlei anderem Bühnengedöns zum Schlagzeug vor. Geil!

Es folgten "Dance on a Vulcano" und die Los Endos Suite. Wieder ging es fein psychodelisch schrammelig zur Sache. Jetzt noch "tonight tonight tonight" und dazu ein mitgröhlendes "WOHOOOOOOOO", dann zu leicht einsetzendem Regen eine aufwärmende Prise für die Masse mit "Invisible touch" inklusive Feuerwerk - und, nachdem man sich zurück auf die Bühne feiern lies, bildeten die Zugaben "I can't dance" und das wunderschöne "Carpet Crawlers" den Abschluss dieses fulminanten Abends.

Punkt 23.00 war Schluss, 2 Stunden 45 Minuten Respekt meine alten Herrschaften!

Mittlerweile hat sich aushaltbare Nieselregen der letzten Lieder in eine Sintflut verwandelt. Dank meinem überdachten Tribünenplatz beobachtete ich noch ein bisschen aus den oberen Reihen das Treiben, abbauen und Nasswerden unten auf dem Platz, bis auch ich den Heimweg gemeinsam mit unüberschaubar vielen und scheinbar glücklichen Konzertbesuchern antrat.


Was bleibt ist ein gemischter persönlicher Eindruck, wohl so gemischt wie das Publikum selbst. Es gab keine klare Alterstruktur, ab Mitte 20 war alles dabei, jüngere sah man nur selten. Was will man auch erwarten von einer Band die sich seit 15 Jahren nicht mehr gerührt hat, von der die neusten Lieder über 16 Jahren auf dem Buckel haben, die in der Zeit kein neues Album raus bringt und einfach nur kurz ankündigt wieder auf Tour zu gehen? Anscheinend eine ganze Menge. Restlos alle Konzerte sind ausverkauft, vier Bühnen lassen Genesis zurzeit parallel in 102 Lastwagen durch Europa karren, und sie hatten auch für das Leipziger Konzert gestern Nacht die mit 63 Metern breiteste Videoleinwand dabei, die je eine Band mitgeschleppt hat. Die Interaktion mit dem Publikum wirken, genauso wie die Zwischenansagen, stark aufgesetzt - auf allen Berichten die ich bisher gelesen habe ist die Show genau durchdacht und nahezu identisch; nur der Stadtname wird ausgetauscht. Das ganze sicher professionell, aber der persönliche Charme den ein Konzert eigentlich zum Erlebnis machen sollte geht verloren. Aufgefangen wurde das durch Multimedia-Firlefanz vom feinsten - und natürlich der geilen Musik. Scheiß drauf nur einer unter Millionen zu sein, Genesis ist für alle da!


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Geschrieben von Anarchnophobia am 05.07.07 14:02 (seit dem 2249 mal gelesen)
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Aktuelle Kommentare zu Bericht: Genesis Live in Leipzig

Kommentar Von Anarchnophobia (16.08.07 12:38):
jo, das hat er wohl. wie geschrieben, überall zu 100% genau das gleiche showmuster

und ich fand es hervorragend das so viele alte Sachen gespielt wurden. der "neue" pop-kram iss doch langsam ma ausgedudelt, back to the roots!
Kommentar Von einem Gast (16.08.07 12:32):
Schöner Artikel.

Ich war ja in Hamburg beim Konzert dabei und war insgesamt sehr begeistert.
Allerdings hätte ich ein paar mehr "neuere" Stücke ganz gut gefunden. Unter anderem habe ich Brazilian, Dreaming while you sleep und Man on the Corner vermisst.

Hat Collins in Leipzig zwischendurch auch einmal abwechselnd nach vorne, links, rechts und direkt vor die Bühne gezeigt, jedesmal was mit "the people over there" gesagt und dann schien auch immer genau dahin ein Scheinwerfer?

Ich fand die Aktion witzig. Besonders weil er dabei immer schneller wurde. :D
Kommentar Von einem Gast (28.07.07 11:55):
Hallo Anarchnophobia,

hast Du wirklich scharfsinnig beobachtet und gut aufgeschieben . Einige Einzelheiten sind mir wieder eingefallen, die in der Flut des Konzertes schon wieder vergessen oder übersehen hatte.

viele Grüße
ANRO
:D :) :o :p :( ;) [B] [I] [U] [D] [URL] [EMAIL] [-][+] Neuer Kommentar Kommentar abgeben :

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